Wir unterhalten uns über Tahiti, über Europa, über Gott und Götter. Ich unterrichte sie und sie belehrt mich.
* * *
Ich mußte für einen Tag nach Papeete fahren.
Zwar hatte ich versprochen, am selben Abend zurückzukehren, aber der Wagen, den ich genommen, verließ mich auf halbem Wege, ich mußte den Rest zu Fuß zurücklegen, und es wurde 1 Uhr morgens, ehe ich zu Hause anlangte.
Als ich die Tür öffnete, sah ich beklommenen Herzens, daß es drinnen dunkel war. Dies hatte an sich nichts Merkwürdiges, denn wir besaßen augenblicklich nur wenig Licht, und den Vorrat zu erneuern, war mit ein Grund für meine Abwesenheit. Aber ich zitterte in einem plötzlichen Gefühl der Furcht und des Argwohns, das ich für eine Vorahnung hielt: der Vogel war gewiß davongeflogen ...
Schnell zündete ich ein Streichholz an und sah – Tehura reglos, nackt, platt hingestreckt auf dem Bett, die Augen vor Angst übermäßig weit geöffnet. Sie sah mich an und schien mich nicht zu erkennen. Ich selber blieb einige Augenblicke in seltsamer Ungewißheit stehen. Tehuras Entsetzen wirkte ansteckend. Mir war, als entströme ihren starr blickenden Augen ein Phosphorschein. Niemals hatte ich sie so schön, von so rührender Schönheit gesehn. Und dann fürchtete ich in diesem, für sie sicherlich von bedenklichen Erscheinungen belebten Halbdunkel eine Bewegung zu machen, die sie erschrecken und den Paroxysmus des Kindes steigern konnte. Wußte ich denn, was ich in diesem Augenblick für sie war? Ob sie mich mit meinem entsetzten Gesicht nicht für einen Dämon oder Geist, einen der Tupapaüs hielt, die ihren Sagen nach in schlaflosen Nächten erscheinen? Wußte ich, wer sie selber eigentlich war? Die Intensität des Entsetzens, von dem sie unter der physischen und moralischen Gewalt ihres Aberglaubens besessen war, machte sie zu einem fremden Wesen für mich, ganz verschieden von allem, was ich bisher gekannt!
Endlich kam sie zu sich, rief mich an, und ich ermannte mich, sie zu schelten, zu beruhigen und zu beschwichtigen.
Sie hörte mich schmollend an und sagte dann mit vor Schluchzen zitternder Stimme:
– Laß mich nicht wieder so allein ohne Licht ...
Aber kaum war die Furcht eingeschlummert, als die Eifersucht erwachte: