In Mataïéa fand eine große Hochzeit statt – eine echte Hochzeit, legal und religiös, wie die Missionare sie den bekehrten Tahitianern vorschreiben.

Ich war dazu eingeladen und Tehura begleitete mich.

Das Mahl bildet auf Tahiti – wie überall, glaube ich – die Hauptfeier. Auf Tahiti wenigstens entfaltet man bei diesen Feierlichkeiten den größten kulinarischen Luxus. Auf heißen Steinen gebratene Schweinchen, eine unglaubliche Menge von Fischen, Bananen, Guaven, Taros u. a.

Der Tisch, an dem eine ansehnliche Zahl von Gästen saß, stand unter einem improvisierten Dach, das anmutig mit Blumen und Blättern geschmückt war. Alle Verwandten und Freunde der Neuvermählten waren anwesend.

Das junge Mädchen – die Lehrerin des Ortes, eine Halb-Weiße – nahm einen echten Maorie, den Sohn des Häuptlings von Punaauïa, zum Manne. Sie war in der „frommen Schule“ von Papeete erzogen worden, und der protestantische Bischof, der sich für sie interessierte, hatte diese Heirat, die viele für etwas übereilt hielten, persönlich vermittelt. – Was der Missionar will, ist Gottes Wille, sagt man draußen ...

Eine volle Stunde wird gespeist und – viel getrunken. Dann beginnen die zahlreichen Reden. Sie werden der Reihe nach und mit Methode gehalten, es ist ein sehr komischer Wettstreit der Beredsamkeit.

Nun kommt die wichtige Frage: welche der beiden Familien gibt den Neuvermählten einen neuen Namen? Dieser aus sehr alter Zeit stammende nationale Brauch bedeutet ein geschätztes, sehr begehrtes und viel umstrittenes Vorrecht. Nicht selten artet der Streit über diesen Punkt in einen blutigen Kampf aus.

Diesmal kam es nicht zu einem solchen. Alles verlief fröhlich und friedlich. Allerdings war die Tischgesellschaft stark berauscht. Selbst meine arme Vahina, die nicht unter meiner Aufsicht bleiben konnte, kam, durch das Beispiel verleitet, in einen furchtbaren Rausch, und ich brachte sie nicht ohne Mühe nach Haus.

Mitten am Tische thronte in bewundernswerter Würde die Frau des Häuptlings von Punaauïa. Ihr auffallendes, phantastisches Kleid von orangefarbenem Samt gab ihr ungefähr das Aussehen einer Jahrmarktsheldin. Aber die unverwüstliche Anmut ihrer Rasse, wie das Bewußtsein ihres Ranges verlieh ihrem Flitter eine unbeschreibliche Größe. Die Gegenwart dieser majestätischen Frau von sehr reinem Typus gab diesem Fest eine stärkere Würze als alles andere, und die Wirkung davon blieb nicht aus.

Neben ihr saß eine hundertjährige Greisin, deren Hinfälligkeit durch eine voll erhaltene Doppelreihe Menschenfresserzähne abschreckend war. Sie nahm wenig teil an dem, was um sie herum geschah, und blieb unbeweglich starr, fast wie eine Mumie. Aber eine Tätowierung auf ihrer Wange, ein dunkles, in seiner Form unbestimmtes Zeichen, das an einen lateinischen Buchstaben erinnerte, sprach in meinen Augen für sie und erzählte mir ihre Geschichte. Die Tätowierung glich in nichts der der Wilden: sie stammte sicherlich von europäischer Hand!