Doch. Nur nicht auf die gleiche Weise, nicht mit dem Verstande. Daß der Baum dort wirklich existiert, das sehe und fühle ich, höre es auch, wenn der Wind hineinfährt. Aber es giebt noch ein andres Gebiet, das man nicht mit den Sinnen wahrnehmen und dem Verstande erfassen, durchdenken kann. Das ist das Gebiet des moralischen, sittlichen Lebens, wo der Verstand bankerott wird, wo das Gewissen und der Glaube entscheidet und seine Notwendigkeit und Wahrheit erweist. Die Wissenschaft, der Verstand freilich kann weder beweisen, daß es einen Gott giebt, noch daß es keinen giebt. Der Beweis aber, der unumstößliche, wird geführt durch die geschichtliche, menschliche Person Jesus Christus. Aus seinem Lehren, Leben und Sterben erkennen wir, daß es einen Gott giebt. Denn in ihm war eine Kraft, die sonst niemand besitzt, und die, sagt er selbst, hatte er von Gott. Wir erkennen aber darin auch, wer dieser Gott ist: die Liebe. Und daß dem so ist, daß es diesen von Christus verkündigten lebendigen Gott giebt, erfährt jeder, der die Sehnsucht und den Mut hat, sein Leben nach diesem Christus einzurichten, der sich entschließt, sich von ganzem Herzen diesem Gotte anzuvertrauen, mit andern Worten: der glaubt.

Aber er schüttelte abermals den Kopf:

Wer den Wahnglauben einmal hat, für den ist es selbstverständlich, daß er nun alles dreht und wendet, um seine Sache plausibel zu machen. Aber Thatsachen hat er nicht.

Er meinte massive, augenfällige und greifbare Thatsachen, wie sie der Materialismus verlangt und hat. Für historische, sittliche, geistige Thatsachen hatte er kein Verständnis und nach dem Frieden keine Sehnsucht. Ohne das aber ist Christentum unmöglich.

So brach ich ab, und wir kamen auf andre Dinge zu reden. Nicht lange. Dann jagte uns ein Werkmeister, der uns wohl schon länger beobachtet hatte, mit grobem Gepolter auseinander.

Etwa vierzehn Tage später hatten wir einmal nicht viel zu thun. So stand ich müßig bei einem an der Drehbank, einem stillen Manne, der mir sympathisch war. Vor einer halben Stunde erst hatte man einen meiner nähern Kollegen, jenen Handarbeiter nach Hause geschafft, von dem ich schon an einer früheren Stelle ausführlich erzählte, daß ihm eine eiserne Schiene von etwa zwanzig Pfund auf den Fuß gestürzt war. Der Dreher und ich sprachen von dem Falle. Ich sagte ihm, daß der Verletzte mir noch heute morgen freudestrahlend erzählt hätte, welches Glück er gestern gehabt hätte. Eine große, viele Zentner schwere und etwa sechs Centimeter starke Eisenplatte für eine Parketthobelmaschine, die schon einem unsrer Transporteure eine Zehe gekostet hatte, wäre beim Aufheben wieder zurückgefallen und hätte ihm bei einem Haar beide Beine zerquetscht.

Nun hat es ihn heute doch noch getroffen, wenn auch viel gelinder, fuhr ich fort. Ist das nun Zufall oder Fügung?

Das sind Dinge, hinter die man nicht sehen kann, erwiderte mein Dreher.

Für einen Christen giebts aber keinen Zufall.