Was ist Christentum? — Nichts. Was der liebe Gott? — Den hat noch niemand gesehen. Und Gottes Sohn? — Dann sind wir alle Gottes Kinder.
Gewiß, sagte ich, sind wir das, wenn wir Jesus nachleben, Gottes Willen thun, an ihn von ganzem Herzen glauben und täglich darum bitten. Aufs Beten kommt besonders viel an.
Aber er lächelte nur und sagte:
Dann die Bibel. Freilich steht viel Wahres drin. Aber auch viel Falsches. Sie ist auch nicht für uns gemacht, sondern für die Großen...
Also wieder diese furchtbare Anklage!... Dann redeten wir von den Pastoren.
Ach ja, sagte er, es giebt ja ganz gute und tüchtige Menschen unter den Geistlichen — im übrigen aber leben sie vom Christentum und befinden sich wohl dabei. Wo ist heute einer, der so handelte wie Christus? der so viele Entbehrungen und Verfolgungen ertrüge?
Und wenn nun ein Geistlicher, wie Christus, zu uns Fabrikarbeitern käme, würde er etwas ausrichten? fragte ich.
Nicht viel. Es ist zu spät. Nachdem Christus selbst die Not nicht hat aus der Welt schaffen können, vermag es das Christentum heute erst recht nicht mehr.
Die Not wegschaffen will es gar nicht, wollte auch Christus nicht, sondern nur den Menschen innern Frieden und heilige Kraft geben, diese äußere Not zu tragen und zu überwinden.
Kraft, Frieden? Das geben andre Dinge viel mehr.