Oder vielmehr nein, fuhr er fort, es giebt ihn doch schon; ich habe einen Bekannten in X., den nennen sie „Lieber Gott.“

S. ist diesmal offner und geht mit der Sprache heraus. Er widerspricht dem Bohrer:

An ein höheres Wesen glaube ich. Ich habe auch viele Erbauungsbücher und die ganze Bibel mit meinen Eltern gelesen. Jetzt thue ich es nicht mehr; denn die Bibel paßt nicht mehr für unsre Zeit zum Lesen. Aber beten thue ich noch täglich das Vaterunser, früh und abends, und wenn ich die Arbeit antrete. Aber ich thue das nur so aus Gewohnheit, seit meiner Kindheit her, wo es die Eltern mir eingelernt haben. Ich weiß, daß es nichts nützt.

Dann sind wir auf einmal bei Luther.

Der hat viel Unheil angerichtet, sagt S., und die Geistlichkeit erst so mächtig gemacht, wie sie heute ist.

Wie ich nun Luther gegen diese Angriffe verteidige, gehen zwei andre, wieder ein etwa dreißigjähriger Monteur und ein Dreher, beide stramme Sozialdemokraten, vorüber, hören zufällig, was ich rede, und bleiben stehn. Der Monteur unterbricht mich bald:

Luther hat ja viele gute Seiten gehabt, aber auch viele schlechte. Ich weiß das ganz genau; ich habe ein Buch über ihn gelesen.

Welches?

Das Pfaffentum seit dem zwölften Jahrhundert.

Na, da weiß ich schon genug. Das ist ein schönes Schund- und Lügenbuch.