Es war gegen drei Uhr nachmittags, als sie Pistoja erreichte. Die Schenke zur Fortuna lag einige hundert Schritte vor der Stadt und zu dieser Stunde der Siesta war wenig Leben in ihr. Im Schatten des weiten Vordachs standen ausgeschirrte Wagen, die Fuhrleute schliefen auf den Polstern, in der großen Schmiede gegenüber ruhte die Arbeit und durch die dickbestaubten Bäume längs der Landstraße rührte sich kein Luftzug. Fenice trat an den Brunnen vor dem Hause, dessen Strahl, allein geschäftig, in den großen Steintrog niederrauschte, und erfrischte sich Hände und Gesicht. Dann trank sie langsam und lange, um Durst und Hunger zugleich zu stillen, und trat in die Schenke.
Der Wirt erhob sich schläfrig von der Bank in der Schenkstube und legte sich wieder hin, als er sah, daß es ein Mädchen von den Bergen war, die seine Ruhe störte.
"Was willst du?" fuhr er sie an. "Wenn du zu essen haben willst oder
Wein, geh in die Küche."
"Ihr seid der Wirt?" fragte sie ruhig.
"Wer anders als ich? Man kennt mich, sollt' ich denken, Baldassare
Tizzi von der Fortuna. Was bringst du mir, schöne Tochter?"
"Eine Botschaft vom Signor Avvocato Filippo Mannini."
"Eh, eh, ist's das? Ja, das ist freilich was anders", und er stand eilig auf. "Kommt er nicht selber, Kind? Es sind Herren da, die ihn erwarten."
"So bringt mich zu ihnen."
"Ei ei, die Heimliche! darf man nicht wissen, was er den Herren sagen läßt?"
"Nein."