"Nun nun, schon gut Kind, schon gut. Es hat jeder seine eignen Geheimnisse, dieser hübsche Trotzkopf da so gut wie der harte Schädel des alten Baldassare. Eh, eh, er kommt also nicht; das wird den Herren sehr unangenehm sein; sie scheinen wichtige Geschäfte mit ihm zu haben."
Er schwieg und sah das Mädchen blinzelnd von der Seite an. Als sie aber nicht Miene machte, ihn weiter ins Vertrauen zu ziehn, sondern die Tür öffnete, stülpte er den Strohhut auf und ging kopfschüttelnd mit ihr.
Ein kleiner Weingarten lag hinter dem Hofe, den durchschritten sie, der Alte in fortwährenden Fragen und Ausrufungen, auf die das Mädchen keine Silbe erwiderte. Am Ende des mittelsten Laubenganges lag ein unscheinbares Gartenhaus, die Läden waren verschlossen und innen hinter der Glastür hing ein dichter Vorhang herab. Einige Schritte vor diesem Pavillon hieß der Wirt Fenice stehenbleiben und ging allein nach der Tür, die auf sein Klopfen geöffnet wurde. Fenice sah, wie der Vorhang dann zurückgeschoben wurde und ein Paar Augen nach ihr heraussahen. Dann kam der Alte wieder zu ihr und sagte, daß die Herren sie sprechen wollten.
Als Fenice in den Pavillon trat, erhob sich ein Mann, der am Tisch mit dem Rücken nach der Tür gesessen hatte, und richtete einen durchdringenden kurzen Blick auf sie. Zwei andere blieben auf den Stühlen sitzen. Auf dem Tische sah sie Weinflaschen und Gläser.
"Der Signor Avvocato kommt nicht, wie er versprochen?"—sagte der Mann, vor dem sie stand. "Wer bist du und was hast du zur Beglaubigung deiner Botschaft?"
"Eine Jungfrau aus Treppi bin ich, Fenice Cattaneo, Herr.
Beglaubigung? Ich habe keine, als daß ich die Wahrheit sage."
"Warum kommt der Signor Avvocato nicht? Wir dachten, er sei ein
Ehrenmann."
"Er ist es nicht minder, weil er einen Sturz vom Felsen getan und sich
Stirn und Bein verwundet hat, daß er das Bewußtsein verloren."
Der Frager wechselte Blicke mit den andern Männern und sagte dann wieder:
"Du sagst allerdings die Wahrheit, Fenice Cattaneo, weil du schlecht zu lügen verstehst. Wenn er das Bewußtsein verlor, wie kann er dich hieherschicken, es uns ansagen zu lassen?"