Sie erhielt keine Antwort. Statt dessen steckten die drei Männer die Köpfe zusammen. "Als wir kamen, sah ich ihn zufällig vorn im Hause; hoffentlich ist er noch nicht nach der Stadt zurück", sagte der eine und verließ dann den Pavillon. Er kam nach kurzer Zeit mit einem vierten wieder, der die Gesellschaft nicht zu kennen schien.

"Ihr erweist uns wohl die Gefälligkeit, mit uns nach Treppi hinaufzugehen?" redete ihn der Sprecher an. "Man wird Euch inzwischen unterrichtet haben, um was es sich handelt."

Der andere verneigte sich schweigend, und alle verließen den Pavillon. Als sie an der Küche vorbeigingen, ließ sich Fenice ein Brot geben und nahm einige Bissen davon. Dann ging sie wieder der Gesellschaft voran und schlug den Weg in die Berge ein. Sie gab unterwegs nicht acht auf ihre Begleiter, die eifrig miteinander redeten, sondern eilte, soviel sie konnte, und mußte zuweilen angerufen werden, damit man sie nicht aus den Augen verlor. Dann stand sie und wartete, und sah in hoffnungslosem Brüten ins Leere hinaus, die Hand fest ans Herz gepreßt. So ward es Abend, bis sie die Höhen erreichten.

Das Dorf Treppi sah nicht lebendiger aus, als gewöhnlich. Nur einige Kindergesichter fuhren neugierig an die offnen Fenster, und einige Weiber traten unter die Türen, als Fenice mit ihrer Begleitung vorüberging. Sie sprach mit niemand, sondern näherte sich, den Nachbarn ihren Gruß mit kurzem Händewinken erwidernd, ihrem Hause. Hier stand eine Gruppe von Männern im Gespräch vor der Tür, Knechte waren mit bepackten Pferden beschäftigt, und Contrabbandieri gingen ab und zu. Als man die Fremden kommen sah, wurde es still unter den Leuten. Sie traten beiseit und ließen die Gesellschaft vorüber. Fenice wechselte einige Worte mit Nina in dem großen Gemach und öffnete dann die Tür ihrer Kammer.

Man sah drin in der Dämmerung den Verwundeten auf dem Bett ausgestreckt, neben ihm auf der Erde hockend ein uraltes Weib aus Treppi.

"Wie steht's, Chiaruccia?" fragte Fenice.

"Nicht schlecht, die Madonna sei gepriesen!" antwortete die Alte und musterte mit raschen Blicken die Herren, die hinter dem Mädchen eintraten.

Filippo fuhr aus einem Halbschlaf auf und sein blasses Gesicht glühte plötzlich. "Du bist's!" sagte er.

"Ja, ich bringe den Herrn, mit dem Ihr den Kampf vorhattet, damit er selbst sehe, daß Ihr nicht kommen konntet. Und da ist auch ein Wundarzt."

Das matte Auge des Liegenden glitt langsam über die vier fremden Gesichter. "Er ist nicht darunter", sagte er. "Ich kenne keinen von diesen Herren."