Als er das gesprochen und schon wieder das Auge schließen wollte, trat der Sprecher unter den dreien vor und sagte: "Es genügt, daß man Euch kennt, Signor Filippo Mannini. Wir hatten Befehl, Euch zu erwarten und zu verhaften. Es sind Briefe von Euch aufgefangen, aus denen hervorgeht, daß Ihr nicht allein um das Duell auszumachen Toskana wieder betreten habt, sondern um gewisse Verbindungen wieder anzuknüpfen, die Eurer Partei in Bologna Vorschub leisten sollen. Ihr seht den Kommissär der Polizei vor Euch und hier meine Instruktion."
Er zog ein Blatt aus der Tasche und hielt es Filippo vors Gesicht. Der aber starrte darauf, als habe er von allem nichts verstanden, und fiel wieder in seine schlafähnliche Betäubung zurück.
"Untersucht die Wunden, Herr Dottore", wandte sich nun der Kommissär an den Arzt. "Wenn der Zustand es irgend erlaubt, müssen wir diesen Herrn unverzüglich hinunterschaffen. Ich habe draußen Pferde gesehn. Wir tun zwei gesetzliche Taten auf einmal, wenn wir uns derselben bemächtigen, denn sie sind mit Schleichwaren beladen. Es ist gut, daß man weiß, welches Volk dies Treppi besucht, wenn man es einmal wissen will."
Während er dies sagte und der Arzt sich Filippo näherte, war Fenice aus der Kammer verschwunden. Die alte Chiaruccia blieb ruhig sitzen und murmelte vor sich hin. Man hörte Stimmen draußen und eine seltsame Unruhe von Kommenden und Gehenden, und zu dem Mauerloch sahen Gesichter herein, die rasch wieder verschwanden.—"Es ist möglich", sagte jetzt der Wundarzt, "daß wir ihn hinunterschaffen, wenn er fest und doppelt verbunden ist. Schneller würde er freilich wieder aufkommen, ließe man ihn hier in der Ruhe, und in der Pflege dieser alten Hexe, deren Wundkräuter den besten gelernten Arzt zuschanden machen. Es kann das Wundfieber unterwegs ihm ans Leben treten, und eine Verantwortung übernehme ich keinesfalls, Signor Commissario."
"Unnötig, unnötig", erwiderte der andere. "Wie man ihn los wird, kann nicht in Betracht kommen. Legt ihm Euern Verband an, so fest Ihr vermögt, damit nichts versäumt werde, und dann vorwärts. Wir haben Mondschein und nehmen einen Burschen mit. Geht indessen hinaus, Molza, und versichert Euch der Pferde."
Der eine der Sbirren*, dem dieser Befehl galt, öffnete rasch die Kammertür und wollte hinaus, als ein unerwarteter Anblick ihn versteinerte. Das Gemach nebenan war mit einer Schar von Dorfleuten besetzt, an deren Spitze zwei Contrabbandieri standen. Fenice hatte noch mit ihnen gesprochen, als die Tür sich öffnete. Nun trat sie an die Schwelle der Kammer und sagte mit großem Nachdruck:
{ed. * Scherge, Häscher}
"Ihr verlaßt diese Kammer unverzüglich, Signori, und ohne den Verwundeten, oder ihr seht Pistoja nicht wieder. In diesem Hause ist noch kein Blut geflossen, solange Fenice Cattaneo seine Herrin ist, und die Madonna verhüte solchen Greuel in alle Zukunft. Versucht auch nicht wiederzukommen, etwa mit mehreren. Ihr habt die Stelle noch im Sinn, wo man einzeln die Felstreppe zwischen den Wänden hinaufklimmt. Ein Kind kann diesen Paß verteidigen, wenn es die Steine den Abhang herabrollt, die droben wie gesät liegen. Wir werden dort eine Wache stellen, bis dieser Herr in Sicherheit ist. Nun geht und rühmt euch der Heldentat, daß ihr ein Mädchen betrogen habt und einen verwundeten Mann ermorden wolltet."
Die Gesichter der Sbirren entfärbten sich mehr und mehr und es entstand eine Pause nach den letzten Worten. Dann zogen alle drei wie auf Kommando bisher verborgene Pistolen aus der Tasche, und der Kommissär sagte kaltblütig: "Wir kommen im Namen des Gesetzes. Wenn ihr selbst es nicht respektiert, wollt ihr auch noch andere hindern, es zu vollziehn? Es kann sechsen von euch das Leben kosten, wenn ihr uns zwingt, dem Gesetz mit Gewalt Achtung zu verschaffen."
Ein Murren durchlief die Schar der andern. "Still, Freunde!" rief das entschlossene Mädchen. "Sie wagen es nicht. Sie wissen, daß jeder, den sie erschießen, dem Mörder einen sechsfachen Tod einbringt. Ihr redet wie ein Tor", wandte sie sich wieder an den Kommissär. "Die Furcht, die auf euern Stirnen sitzt, redet wenigstens klüger. Tut, was sie euch anrät. Der Weg ist offen, Signori!"