"Richtig", sagte er, "er war in jener Nacht wie unsinnig. Eine wunderliche Nacht! Du hattest mir's doch sehr angetan, Fenice. Ich weiß, daß ich keine Ruhe hatte, als du gar nicht wieder ins Haus zurückkommen wolltest, daß ich aufstand und dich draußen suchte. Dein weißes Kopftuch sah ich, und dann nichts mehr von dir, denn du sprangst in die Kammer neben dem Stall."
"Das war meine Schlafkammer, Filippo. Da durftet Ihr doch nicht hinein."
"Aber ich wollt' es. Ich weiß noch, wie lange ich stand und pocht' und bettelte, der schlechte Gesell, der ich war, und meinte, der Kopf müsse mir springen, wenn ich dich nicht noch einmal sähe."
"Der Kopf? Nein, das Herz, sagtet Ihr. Ich weiß sie noch alle wohl, die Worte, alle!"
"Und wolltest doch damals nichts von ihnen wissen."
"Mir war zumut wie zum Sterben. Ich stand im hintersten Winkel und dachte, wenn ich mir nur das Herz fassen könnte, an die Tür zu schleichen, den Mund an die Spalte zu legen, durch die Ihr spracht, daß ich den Hauch empfunden hätte."
"Törichte verliebte Jugend! Wäre deine Mutter nicht gekommen, ich stände wohl noch da; du hättest denn inzwischen aufgemacht. Ich schäme mich jetzt beinahe, wie ich im hellen Ärger und Grimm davonging und die Nacht hindurch einen langen Traum von dir hatte."
"Ich habe im Finstern gesessen und gewacht", sagte sie. "Gegen Morgen überfiel mich ein Schlaf, und als ich auffuhr und in die Sonne sah—wo wart Ihr? Es sagte mir's keiner und fragen konnt' ich nicht. Ich hatte einen solchen Haß, ein menschliches Gesicht zu sehen, als hätten sie Euch umgebracht, damit ich Euch nur nicht mehr sähe. Ich lief fort, wie ich ging und stand, die Berge auf und ab, zuweilen schrie ich nach Euch, zuweilen verwünschte ich Euch, denn um Euch konnte ich nun keinen Menschen mehr lieben. Am Ende kam ich unten in der Ebene an, da erschrak ich und kehrte wieder um. Zwei Tage war ich weg gewesen. Der Vater schlug mich, als ich wiederkam, und die Mutter sprach nicht mit mir. Sie wußten wohl, warum ich weggelaufen war. Nur der Hund war mit mir gewesen, der Fuoco; aber wenn ich Euern Namen rief in der Einsamkeit, heulte er."
Es entstand eine Pause, in der die Blicke der beiden Menschen aufeinander ruhten. Dann sagte Filippo: "Wie lange sind deine Eltern nun tot?"
"Drei Jahr'. Sie starben in derselben Woche—ihre Seelen seien im
Paradiese! Dann bin ich nach Florenz gegangen."