"Nach Florenz?"
"Ja, Ihr sagtet ja, Ihr wäret aus Florenz. Die Frau des Caffetiere draußen bei San Miniato, an die wiesen mich welche von den Contrabbandieri. Einen Monat hab ich da gelebt und sie alle Tage in die Stadt geschickt, nach Euch zu fragen. Abends ging ich selbst hinunter und suchte Euch. Am Ende hörten wir, daß Ihr längst fortgezogen, keiner wollte recht wissen, wohin."
Filippo stand auf und ging mit starken Schritten durch das Gemach. Fenice wandte sich nach ihm, ihr Blick folgte ihm, doch verriet sie keine Spur einer ähnlichen Unruhe, wie sie ihn umhertrieb. Er kam endlich auf sie zu, sah sie eine Weile an und sagte dann: "Und wozu gestehst du mir das alles, la Poveretta*?"
{ed. * Du Ärmste}
"Ich habe sieben Jahre Zeit gehabt, mir einen Mut dazu zu fassen. Ach, wenn ich es Euch damals gestanden hätte, es hätte mich nicht so unglücklich gemacht, dieses feige Herz. Aber ich wußte, daß Ihr wiederkommen mußtet, Filippo; nur daß es so lange dauerte, das hatte ich nicht gedacht, das tat mir weh.—Ein Kind bin ich, so zu sprechen. Was kümmert mich, was nun vorüber ist? Filippo, da seid ihr, und hier bin ich und bin Euer, ewig, ewig!"-"Liebes Kind!" sagte er leise, und verschwieg dann wieder, was er auf der Zunge hatte. Sie empfand es aber nicht, daß er so nachdenklich und schweigsam vor ihr stand und über ihre Stirn weg auf die Wand starrte. Sie sprach ruhig weiter; es war, als wären ihr ihre Worte seit lange bekannt, als habe sie sich tausendmal im stillen vorgestellt: Er wird kommen, und das und das wirst du ihm sagen.
"Ich habe schon viele heiraten sollen, hier oben, und als ich in Florenz war. Ich wollte nur dich. Wenn mich einer bat und sagte mir süße Reden, gleich war deine Stimme da, aus jener Nacht, deine Reden, die süßer waren, als alle Worte unterm Monde. Seit manchem Jahr lassen sie mich in Ruh, obwohl ich noch nicht alt bin, und so schön wie ich immer war. Es ist als ob sie alle wüßten, daß du nun bald kommen würdest."—Dann wieder:
"Wo willst du mich nun hinführen? Willst du hier oben bleiben? Nein, es taugt nicht für dich. Seit ich in Florenz war, weiß ich, daß es traurig auf dem Gebirge ist. Wir wollen das Haus und die Herden verkaufen, dann bin ich reich. Ich habe das wilde Wesen mit den Leuten hier satt. In Florenz mußten sie mich alles lehren, was eine Städterin braucht, und sie verwunderten sich, wie rasch ich jedes begriff. Freilich, ich hatte nicht viel Zeit und alle Träume sagten mir, daß es hier oben sein würde, wo du mich zu suchen kämest.—Ich habe auch eine Zauberin gefragt, und auch das ist alles eingetroffen."
"Und wenn ich nun schon eine Frau hätte?"
Sie sah ihn groß an. "Du willst mich versuchen, Filippo! Du hast keine. Auch das hat mir die Strega* gesagt. Aber wo du wohnest, das wußte sie nicht."
{ed. * Hexe}