Der Bruder zuckte die Achseln.
Seht, fuhr sie fort, es hat mir oft keine Ruhe gelassen, wenn ich dachte, daß sie es vielleicht allein ist, die Euch so fern von uns gehalten hat. Sie gönnt es keinem, daß Ihr nur ein Wort an ihn richtet. Sie allein will Euch haben.
Ihr irrt, sagte er trocken. Ich hatte meine Gründe, daß ich aus
Neapel fortging.
Ich weiß, Tomà, ich weiß. Es begreift es ein Kind, daß ihr damals die Lust am Meere verlort, nach jenem Unglück. Aber sie wäre schon wiedergekommen, wenn Teresa Euch nicht zugeredet hätte, Euch hier in der Wildnis und Öde einzuschließen. Erleben wir nicht alle unsere Schicksale und müssen doch aushalten unter den Menschen? Kommt das Unglück nicht vom Himmel? Und darf es uns so versteinern, daß wir die Menschen hassen, die doch nichts dafür können?
Nichts dafür können? Das ist die Frage.
Sie sah ihn durchdringend an. Ich versteh' Euch nicht, Tomà. Ich verstehe vieles nicht mehr, seit Ihr fort seid. Warum habt Ihr mir auf die Briefe nicht geantwortet, die ich Euch durch Angelo, den Bauern, geschickt habe? Er sagte mir doch, er habe sie Euch allein übergeben, beide; sonst könnte ich denken, Teresa habe Euch das Antworten verwehrt.
Die Briefe? Ich habe sie verbrannt.
Und was antwortet Ihr jetzt darauf?
Lucia, ich habe kein Wort gelesen, das darin stand.
Sie zuckte zusammen. Er aber fuhr fort: Euer Mann ist gestorben, wie mir Angelo sagte; er tut mir leid, er war ein Galantuomo, und das Unrecht, das ich gegen ihn auf dem Herzen habe, brennt mich noch heut. Ihr seid jung und schön, Lucia; Ihr werdet bald einen andern finden, einen jüngeren. Seid glücklich mit ihm!