Ein starker Beifallssturm der anwesenden Slawen bestätigt diese bescheidene Behauptung.

Als die Deutschen noch lebten wie die Tiere, als sie Eicheln fraßen, sich in Felle hüllten und Ochsenhörner auf dem Kopfe trugen, waren die Slawen längst in viel höherer Kultur. Und wir Slawen sollen unseren geistigen Besitz den Deutschen verdanken?

Stürmischer Widerspruch.

Eingenistet haben sie sich in dieses Land, das Gastrecht haben sie gemißbraucht! Denn den Slawen ist der Gast heilig. »Hast du einen Gast im Haus, so hast du Gott im Haus«, das ist immer und ewig der slawische Grundsatz gewesen. Aber der Gast betrog uns, er machte sich zum Herrn!

Er betrog uns um die Herrschaft, um unser leibliches Gut. Wie haben aber die Deutschen erst geistig gestohlen und gefälscht! Wer ist der Feldherr Wallenstein, der ihr Land vor den Ausländern rettete? Ist er nicht der Tscheche Valdstyn? Wer ist ihr gefeierter Feldmarschall Radetzky, dem sie so ungeheuer viel verdanken? Ist er nicht unser slawischer Bruder Hradecky? Hat nicht ein Tscheche die Buchdruckerkunst erfunden? War nicht der große Jan, der diese unsterblichste aller Künste erfand, ein Ausgewanderter aus unserer böhmischen Stadt Kuttenberg? War es nicht eine Frechheit sondergleichen von den Deutschen, anno vierzig die Buchdruckerkunst als ihre Erfindung zu bezeichnen, aus einem Jan Kuttenberg einen Johann Gutenberg zu machen? Aber laßt sie nur ihr ›Gott erhalte Franz den Kaiser‹ brüllen; Joseph Haydn hat die Melodie den Tschechen gestohlen, und das wird noch an den Tag kommen! Was haben die Deutschen nicht alles von uns! Stammt nicht ihr Dichter Lessing aus dem wendischen Dorfe Kamenz; ist er also nicht ein Slaw? Hat nicht Karl Maria von Weber seinen »Jungfernkranz« den Tschechen gestohlen? Und da wollen die Deutschen sagen, wir hätten keinen großen Dichter, keinen großen Musiker?« Es gab wieder starken Beifall. Nur Samo und sein Freund Bohuslaw saßen mit niedergeschlagenen Augen da. Bohuslaw wußte, daß die kuriose Beweisführung des Redners seinem klugen Freunde peinlich war.

Der Redner fuhr fort: »Wofür sollen wir uns bei den Deutschen bedanken? Dafür, daß sie uns zu knebeln versuchten, daß sie unsere Sprache, unsere Sitte, unsere Freiheit verfolgten, unsere Söhne auf ihre Schlachtfelder schleppten, dafür, daß der preußische Barbar Friedrich II. unseren heiligen Hradschin beschoß, allein an einem Tage eintausendfünfhundert Kugeln gegen unseren Dom richten ließ, dafür, daß wir selbst die Gebeine des heiligen Jan von Nepomuk vor ihm in Sicherheit bringen mußten?«

Tosende Zwischenrufe. Der Redner erhob die Stimme zu größter Kraftentfaltung. Er brüllte:

»Sollen wir uns bei den Deutschen dafür bedanken, daß sie uns unseren großen Magister Jan Hus heimtückisch ermordeten?«

Brausende Bewegung.

»Warum haben sie ihn ermordet? Wegen seiner kirchlichen Lehre etwa? Manch einer hat freiere Dinge gelehrt und blieb am Leben und blieb in Ehren. Warum haben sie Luther geschont und Jan Hus verbrannt? Weil Luther ein Deutscher war und Jan Hus ein Böhme!«