Selbst als ein paar hübsche Mädchen etliche der wunderherrlichen Volkslieder der Tschechen vortrugen, die für Trauer und Sehnsucht des Menschenherzens in stillen Worten und tiefen reichen Melodien so ergreifenden Ausdruck finden, kam keine rechte Stimmung mehr zustande.
Die Beseda war verunglückt.
Es war kaum zehn Uhr, als Samo aufbrach. Sein Freund Bohuslaw folgte ihm. »Ich ersticke in diesem Saal!« sagte Samo draußen. »So ist es selten einmal durchtriebenen Hallunken geglückt, die Gegner zu äffen.«
»Mein Herz leidet, daß es geschah, Samo«, antwortete der sanfte Bohuslaw. »Wenn es nun einmal geschehen sollte, dann doch nie in deiner Gegenwart. In dir ist der slawische Königsgedanke beleidigt worden.«
Der junge Mann hing an Samo mit einer Art ehrfürchtiger Liebe. Er ehrte in ihm mit tiefer Überzeugung den heimlichen Königssohn.
Schweigend gingen die beiden jungen Männer weiter. Als sie in eine schmale, winklige Straße kamen, zeigte Bohuslaw auf das Erkerfenster eines Eckhauses. Mattes Licht schimmerte durch die kleinen bleigefaßten Scheiben des Fensters.
»Dort wohnt mein Onkel Krok, von dem ich dir erzählte. Wenn es dir gefällt, so gehen wir zu ihm hinauf. Wohin sollen wir jetzt in dieser Stimmung?«
»Es ist zu spät für einen Besuch.«
»Mein Onkel Krok würde um Mitternacht aufstehen und dir sieben Meilen entgegengehen, wenn er wüßte, du wolltest ihn besuchen. Erlaubst du, daß ich klopfe?«