»Heilige Madonna, ich danke dir, daß ich diesen Tag erlebte! O Fjersta! Fjersta!«
Und wieder wollte der Alte Samo die Hand küssen.
Dieser wehrte ihn freundlich ab.
»Ich freue mich, daß ich bei Euch bin; aber ich bin nichts als ein wendischer Student.«
»Ich weiß, wer Ihr seid! Der sorbski kral, der kommen wird. O seht, wenn ich auf unserer heiligen slawischen Erde reise und sehe, wie schön und reich sie ist, ich finde alles: ich finde große Berge und weite Ebenen, Städte mit alten Domen und heiligen Gräbern, Wiesenflächen mit singenden Dörfern, ich finde alte Nationalschätze und habe davon manches gesammelt, ich finde eine stolze Jugend, die an ihr Slawentum glaubt, ich finde Dichterwerke und Weisheitswerke und Silber und Gold und Edelstein – aber ich finde das nicht, wonach ich mit meinen alten Augen immer noch suche: ich finde keinen slawischen König. Und nun ist er hier! Und nun ist er hier!«
Der Alte fing so heftig an zu zittern, daß ihn sein Neffe nach einem der großen Lehnstühle führen mußte. Auch Samo faßte es an wie ein Taumel, und er setzte sich langsam und schwer auf einen Stuhl an dem großen Tisch.
Eine tiefe, tiefe Stille kam. Der Alte blickte auf den jungen Königssohn wie ein Vater, dem in frühen Jahren ein Sohn, das Kleinod seiner Ehre und seiner Hoffnung, geraubt worden ist, dem die goldene Wahrheit und Gewißheit seines Lebens in graue, neblige Ferne entwich, der mit heißen Augen und nimmermüdem Fleiß suchte durch die besten Jahre seines Lebens und endlich müde heimkehren mußte mit winzigen Andenken und ungewissen Anhalten, ein Träumer sitzt am einsamen Tisch – und dem mitten in der Nacht im Sternenschein der Sohn als ein kommender Sieger wiederkehrt.
»Fjersta!«
Samo eilte auf den Alten zu – sie liegen sich in den Armen. – – –
Endlich sagte Samo: