»Seht, Pán Krok, der Wendenkönig konnte sich keine bleibende Burg bauen, keine goldene Kapelle errichten, wo er seine Schätze verwahrte, für ihn gab es noch keinen Pán Krystus, dessen Schützernamen er über seine Tür schreiben konnte. Als er in die entscheidende Schlacht zog, hatte er niemand, der seine Krone verwahrte; in den armen Sand der Heide mußte er sie vergraben, unter die Bäume des Waldes. Eine Grube zwischen Erde und Steinen war unsere Kronenstätte.«

Der Alte stand auf, und seine milden Augen ruhten liebevoll auf Samo.

»Gott selbst hat einen blauen Dom über Eure Krone gewölbt, Pán Samo, und seine Sterne werden nicht weniger hell gefunkelt haben als unsere Karneole. Und hat Euch nicht Gott wunderbar erhalten? Unser Königtum ging verloren, das Eure blieb!«

»Es wird verloren sein für immer und ewig«, sagte Samo düster.

»Das darf nicht sein, Pán Samo, das darf nimmer geschehen! Ihr werdet es aufrechterhalten; denn Ihr müßt der Kral werden, geschehe auch, was wolle!«

Die milde Hoheit war von dem Alten gewichen, ein fanatischer Eifer sprühte aus seinen grauen Augen. –

»Die Deutschen verseuchen unser Volkstum«, fuhr Samo fort; »sorbisch geht der Bursch zum Militär, verdorben, deutsch kommt er zurück; der deutsche Gutsherr, der deutsche Krämer, der deutsche Gastwirt bohren sich wie die Maden in die slawische Frucht; unsere Gebildeten liegen in einem Halbschlummer; sie träumen noch ein wenig vom Slawentum, aber vor der Welt sind sie gehorsame Diener des deutschen Herrn. Die wendischen Geistlichen und Lehrer sterben aus; sie waren die besten und letzten Hüter unseres Volkstums, ihre Nachfolger sind Pioniere des Deutschtums. Das Volk kehrt sich vom heimischen Ackerbau ab, strebt in den Frondienst deutscher Fabriken. Es ist – es ist aus mit uns droben in der Lausitz!«

»Das ist ein düsteres Bild, das ist ein zu düsteres Bild!«

»Schreien möchte ich, Pán Krok, daß es so ist! Tausend Jahre lang hat unser sorbisches Volk der Lausitz seine slawische Art bewahrt mitten in Kampf und Not. Die Herren haben gewechselt, die Bedrücker sind geblieben, aber auch das Slawentum ist geblieben. Keine Gewalt, keine List, keine leibliche und geistige Aushungerung hat es vernichtet. Der arme, starke Sandwald hat es geschützt. Und welche Hoffnung blieb uns? Unsere Zahl schmolz zusammen. Wir konnten nicht mehr hoffen, ein eigenes Reich zu errichten, wie es die alte Sage verheißt.«

»Ihr müßt das hoffen, Pán Samo,« rief der Alte; »Ihr dürft diese Hoffnung im Herzen des Volkes nicht untergehen lassen. Man darf einen Stern nicht ableugnen, weil man nicht nach ihm greifen kann. Genug, wenn er leuchtet. Der felsenfeste Glaube an die große Zukunft muß dem Volk erhalten bleiben. Ohne großes Ziel keine Religion, kein aufstrebendes Volkstum, nicht einmal irgendein gutes Einzelwerk!«