Bohuslaw trat einige Schritte näher. Samo stand regungslos wie eine Statue.

Da rief ihm der alte Krok zu:

»Pán Samo, kommt an den Altar.«

Mit schweren Schritten gehorchte ihm Samo.

»Pán Samo, zukünftiger Kral der Lausitzer Sorben, ich begrüße Euch an dieser heiligen Stätte. Bin ich auch kein geweihter Diener Gottes, so habe ich doch die Weihe einer Familie, die von der Vorsehung ausersehen war, durch Jahrhunderte dieses Heiligtum zu hüten und zu hegen. Samo, ich setze Euch diese Krone aufs Haupt, nicht daß ich Euch zum König von Böhmen kröne, sondern als ein Unterpfand Eurer eigenen zukünftigen Würde.«

Und Krok setzte Samo die Krone aufs Haupt. Das alte Silber berührte kühl die heiße Stirn des Mannes. Ein paar Herzschläge lang stand Samo so im königlichen Schmuck; dann ergriff er die Krone, küßte sie, legte sie auf den Altar und ging eilends aus der Kapelle.

Krok und Bohuslaw fanden ihn bald darauf im vordersten Zimmer fassungslos in einem Lehnstuhl sitzen.

»Pán Samo,« sagte Krok, »nicht umsonst weihte ich Euch in das größte Geheimnis meines Lebens ein. Alles hat einen Sinn, und alles geht darauf hin, unserem Slawentum zu dienen. Pán Samo, vergeßt dieses nicht: Symbole sind nötig; Gedanken, vom Symbol losgelöst, verfliegen im Wind. Kommt noch einmal allein zu mir, ehe Ihr abreiset; ich habe Euch etwas zu sagen, das mir in dieser Nacht eingefallen ist.«