Spätherbst droben im Wendenlande.
Die letzten Sommerfäden nahm der Wind; der letzte Singvogel zog fort.
Irgendwo in der Welt gibt es sonnige, glänzende Fluren, irgendwo gibt es laute, große Städte.
Das muß weit von hier sein. Denn hier wohnt die graue Einsamkeit. Spät dämmert der müde Tag, früh geht er zur Rüste. Oft liegt der Waldweg die ganze Woche einsam. Kein Wanderer kommt daher.
Und doch wäre es ein Weg, wo einer den Frieden suchen könnte, wo müde Augen ruhen und wilde Herzen stille werden könnten.
Hier wandeln in den tiefen Wäldern, wie im Traum hinhören auf die knisternden Sagen der Föhren, am alten Heidenhügel früherer Zeit nachdenken, an die Lutchen denken, die Zwergmännlein, die jetzt selbst zur Mittagszeit die Zipfelkappe fest über die dicken Köpfe ziehen und bei sinkender Sonne fröstelnd in ihr warmes Haus flüchten tief unter der Erde! O ja, das täte den klugen, unglücklichen Menschen draußen gut!
Nur wer eine wehe Reue im Herzen trägt, dürfte hierher nicht kommen; die Smjertniza könnte ihm begegnen. –
Drunten im Spreewald führte ein junger Bursch zur Abendzeit seinen Kahn heim. Ihm gegenüber saß seine einzige Schwester. Sie war von großer Schönheit; aber nun war sie traurig und blaß und sah immer ins Wasser hinein, in dem die letzten bunten Blätter des Waldes schwammen.
Da fing der Bursche an zu singen:
»Sla je holčka po wodu …«