»Der Kral der Wenden bist du; es kann niemand beweisen, daß du es nicht bist! Aber das Königtum ist uns genommen; der wendische König, der heute regiert, heißt Wilhelm von Hohenzollern und wohnt in Berlin.«
»Das weiß ich«, sagte der Alte ernst. »Und ich bin sein treuer Untertan. Ich tue meine Pflicht. Ich bin kein Hochverräter. Aber Gott führt die Schicksale der Menschen, und ich brauche die Würde, die er mir gab, im Herzen nicht aufzugeben und die Leute, die zu mir halten, mir nicht abtrünnig machen zu lassen von meinem eigenen Sohne, solange unsere alte Krone noch ruht im heiligen Hügel.«
»Ich glaube nicht daran, daß in dem Hügel eine Krone liegt; es ist eine Sage wie alle. Ich kann nicht an sowas glauben.«
»Und du wagst es, zu sagen, daß du dich nicht von deiner Heimat losgesagt hast?«
»Nicht von der Heimat, nicht von dir, nicht von allen Wenden. Nur von dem, was ihnen schadet, was sie tiefhält, was nicht wahr ist! Und das sage ich dir, Vater, Samo glaubt an alle diese Dinge so wenig wie ich. Aber er heuchelt und hat den Vorteil, und ich sage die Wahrheit und verliere dich und verliere alles.«
»Samo lügt nicht. Samo beachtet unsere Gebräuche bis ins kleinste. Für dich aber ist alles, was uns heilig ist, Aberglaube und Dummheit. Und deshalb ist Samo an deine Stelle getreten. Mit Fug und Recht, Juro; ich habe es in vielen schlaflosen Nächten mit mir abgemacht.«
»Und meine Erbfolgeschaft als künftiger Kral?«
»Die vor allen Dingen wirst du an Samo abtreten.«
Da kam der Zorn wieder über Juro, und er richtete sich auf und sagte:
»Das werde ich nicht! Dein Gut kannst du vermachen, wem du willst, es ist dein Eigentum, und die preußischen Gesetze werden dafür sorgen, daß dein wendisches Testament bis ins kleinste erfüllt wird. Aber das Recht der Erstgeburt, das kannst du mir nicht nehmen und kein Gericht, das behalte ich! Das behalte ich!«