Das war der Bruch; damit sollte Juro völlig ausgeschlossen werden von dem heimischen Hof.
Eine tiefe Bitternis war über Juro gekommen. Seine frohe, selbstbewußte Art drohte in finsteren Trotz umzuschlagen. Er war oft schweigsam und müde wie ein Kranker. Da kam Samos Hochzeit immer näher heran. Samo lud den Bruder erst auf ausdrücklichen Befehl des Vaters zu dem Fest; er tat es in der denkbar kältesten Form. Juro schlug die Einladung aus, und um allen Peinlichkeiten zu entgehen, um sich andererseits zu zerstreuen und wieder einmal Sonne in die Seele zu bekommen, begab er sich mit seinem Freunde auf die Reise.
Oh, wohl war es schön in Florenz und Rom, wohl war es ein Genuß, mit Heinrich, der seit Jahren Kunstgeschichte studiert hatte, durch die Museen zu wandern, wohl war es herrlich hier am alten Posilip! Aber die Bitterkeit wich nicht ganz aus Juros Herzen, und als einmal Musikanten ein italienisches Volkslied sangen, sagte er:
»Wir haben ein ähnliches Lied; ich finde es sogar schöner.«
Und er sang dem Freunde leise das Lied vor – in wendischer Sprache. – – –
Nach zwei Monaten kehrten sie heim. Da fand Juro in seiner Breslauer Wohnung einen Brief des Vaters vor. Der Vater machte ihm die Mitteilung, daß die Vertreter der wendischen Gemeinden beschlossen hätten, ihm die künftige Kralswürde abzusprechen auf Grund seines feindlichen Verhaltens gegen das Wendentum und vor allen Dingen auf Grund seines geäußerten Vorsatzes, den Kronenhügel aufzugraben und das Nichtvorhandensein der alten Krone der Wenden nachzuweisen. Am Martinitage mittags solle in dem und dem Lokal die Ausschließung Juros von der Kralswürde erfolgen. Es sei Juro anheimgestellt, bei dieser großen Gromada zu erscheinen und daselbst seine Sache zu führen, wolle er aber klug handeln und seinem Vater einen Schmerz ersparen, so solle er vorher durch freiwilligen schriftlichen Verzicht das traurige Schauspiel unnötig machen.
»So wirf ihnen doch die ganze Geschichte hin«, sagte Heinrich, der mitanwesend war und den Brief ebenfalls las. »Das ist doch alles Humbug! Darum wirst du dir doch nicht das Leben verbittern!«
»Nein!« rief Juro, »nein! Ich gebe nicht nach!«
»Aber, Mensch, du siehst doch, daß du sowieso keinen Einfluß auf die Wenden hast. Wozu also dieses trotzige Festhalten an dieser phantastischen Würde? Bei denen wirst du nichts ausrichten, auch wenn du der eingebildete zukünftige Kral bleibst.«