Da stand Juro auf.

»Nein,« rief er, »nein, Hanka, der Vater darf davon nichts wissen, der darf nie, nie erfahren, daß die Krone gefälscht war.«

»Er muß es doch erfahren!«

»Nein, Hanka! Sieh, ich bin nicht mehr der alte. Wohl erkenne ich jetzt noch meine Prinzipien als richtig, wohl glaube ich jetzt noch, daß für unser Wendenvölklein allein im innigsten Anschluß an die Deutschen das Heil liegt, aber ich weiß auch, daß ich nicht unschuldig bin an allem, was geschehen ist. Ach, Hanka, uns arme Menschen quält alle eine Schuld. Keiner von uns ist weiß wie Schnee, keiner von uns ist schwarz wie die Nacht.«

Er sah ein Weilchen vor sich hin, dann fuhr er fort: »Mein Jugendungestüm, oder sage ich ruhig, mein geistiger Hochmut, hat mich verleitet, rücksichtslos mein Ziel zu verfolgen, hat alles kluge Abwarten vereitelt. Daß ich den Hügel aufgrub, war nicht recht! Die Schicksale der Völker gehen ihren Weg wie die großen Ströme; es ist töricht, unsere paar Hände voll Sand gegen sie zu werfen. Und es ist sündhaft, altes, gläubiges Vertrauen ohne Not niederzureißen. Selbst Gottes Sonne schmilzt ja altes Eis nicht an einem Tag.«

Wieder machte er eine Pause, ehe er weitersprach:

»Dem Vater muß sein Vertrauen zu der alten Krone erhalten bleiben. Was nützt es, seinem sinkenden Tag das Abendgold zu nehmen? Und so wie er ist sein wendisches Volk. Dessen langer mühsamer Tag geht zur Neige. Es stehen noch ein paar rote Träumerwolken an seinem Himmel; ich habe erkannt, daß es unrecht ist, den Wenden dieses letzte Glück zu nehmen.«

Hanka hörte auf zu weinen, als er so redete. Nach einiger Zeit beruhigte sie sich so weit, daß sie einen Bericht über die zwei letzten Jahre ihres Lebens geben konnte. Sie stockte oft und brachte die Worte nur mühsam heraus, und als sie der letzten Tage gedachte, mußte sie alle Kraft zusammennehmen. Als sie geendet hatte, sagte Juro:

»Hanka, auch du darfst das Vertrauen nicht verlieren. Du darfst nicht so in bitterem Groll an deinen Mann denken. Schon um deines und seines Kindes willen darfst du es nicht. Hanka, ich bin überzeugt, daß Samo, als er die Krone eingrub, glaubte, er tue etwas, das unerläßlich sei, er begehe nichts als eine Kriegslist, zu der ich ihn gezwungen hatte. Mit diesem Gedanken ist er von dem alten Manne aus Prag zurückgekehrt. Und, Hanka, was er gefehlt hat, hat er bitter büßen müssen. Er ist ja so unglücklich geworden!«

»Ich kann nicht zu ihm zurück; sein Leben ist schrecklich!«