Da ging Juro hinaus und holte seine Frau. Elisabeth eilte herbei. Ach, diese kleine deutsche Frau lachte und weinte und lachte wieder und war so offenbar glücklich, Hanka zu sehen, daß sich das arme Weib ihren Zärtlichkeiten nicht entziehen konnte.

Juro schlich hinaus. Nach einem Weilchen kam er mit einem Kindchen zurück.

»Sieh, Hanka, das ist unser Kind. Es ist sechs Monate alt.«

Da nahm Hanka das Kind auf ihre Arme, und das Gefühl einer großen heiligen Versöhnung überkam sie. Schwere, erlösende Tränen quollen aus ihren Augen, aber ihre Augen glänzten durch diese Tränen. Eine süße Vorahnung eigenen Mutterglücks ward in ihr lebendig und tilgte das Herzeleid und machte die Stunde schön und lieblich.


Während die Frauen später an der Wiege des kleinen Mädchens saßen und Elisabeth echte Töne des Trostes und der Beruhigung für Hanka fand, saß Juro in seinem Arbeitszimmer und schrieb einen ernsten Brief in wendischer Sprache.

Lieber Vater!

Dein Sohn Juro klopft an Deine Tür und bittet Dich um Verzeihung für all das, was Du Bitteres durch ihn erfahren hast. Ich habe eingesehen, daß der Weg, auf dem ich meine Prinzipien in Tat und Wahrheit umsetzen wollte, nicht der richtige war, daß überall da, wo zwischen Menschen und Völkern der Kampf geführt wird, der beglückende wahre Sieg fehlen muß, wenn als Kampfmittel nur Klugheit und List, Energie und sachliche Überlegenheit oder gar Gewalttat und Rücksichtslosigkeit eingestellt werden, wenn die Liebe fehlt, die allein zu versöhnen, zu überzeugen und zu gewinnen vermag. Ich habe geirrt; es tut mir leid. Ich will nicht mehr dessen gedenken, was auf der Gegenseite verschuldet wurde; ich will auch die Schande, die mir widerfahren ist, als ich auf jenem Wagen aus dem Dorfe gefahren wurde, hinnehmen als eine Strafe, die der Vater dem Sohne aufzuerlegen für gerecht fand. Ich rede nur von mir und bekenne mich in vielen Dingen für schuldig.

Von dem Versöhnungsgedanken getrieben, ist heute Hanka in meinem Hause eingekehrt. Sie sitzt, während ich diesen Brief schreibe, mit meiner Frau an dem Bettchen unseres Töchterchens, Deines ersten Enkelkindes. Hanka ist mit uns im Frieden. Auch sie wird ein Kind bekommen in der nächsten Zeit. Sie hat aber doch ihren Mann, unseren Samo, verlassen müssen, weil sein Leben zu unsicher ist und Hanka in ihrer schweren Zeit nicht bei ihm bleiben konnte. Sonst ist Samo gesund, und wir alle hoffen, daß er noch einmal eine friedliche Stätte findet und daß Hanka dann mit ihrem und seinem Kinde zu ihm zurückkehren kann.