Dann zog er eine Spindel aus der Tasche und ein Säckchen mit Leinsamen und belehrte die alten Leute, wie sie Flachs bauen und spinnen sollten. Und wenn erst alle Leute Flachs bauten und spännen, dann würde die Not fort sein aus dem Wendenlande.
Diese Leute hatten aber eine schöne Tochter. Sie war groß gewachsen und üppig gebildet, hatte helle Haare und ein rotes Gesicht; ihre Arme waren stark und ihre Füße flink.
Sie trat nun in die Stube und sah den Fremdling, und er sah sie. Und sie sahen beide ihre junge Gesundheit und ihre schöne Kraft und liebten sich alsobald.
»Ich höre, daß die Krankheit unter dein Vieh gekommen ist«, begann der Fremde.
»Ja, es ist so«, antwortete das Mädchen.
»So komm mit mir in den Stall!«
Sie gingen in die Winternacht hinaus nach dem Stalle, in dem die Kühe krank die Köpfe hängen ließen.
Der Fremde ließ die Tiere an einem Salz lecken, hob dann die Hand und sagte:
»Neun Brunnen sind im Mittagsland,
Neun Würmer nagen am Ufersand.
Die Brunnen versiegten beim Morgenrot,
Die Würmer waren am Mittag tot,
Zu Abend und Nacht ich spreche dies Wort:
All' Krankheit weiche von diesem Ort!«