Das Mädchen faßte ihn am Arm.
»Erschrick nicht, Elisabeth! Es ist kein Verrat! Es ist die einzig vernünftige Tat, die geschehen kann. Was ist klüger: eine alte Kaluppe, die jeden Augenblick vom Wind über den Haufen geworfen werden kann, immer neu zu stützen, die klaffenden Löcher mit Lehm zu verschmieren, die zerschlagenen Fensterscheiben mit Papierfetzen zu verkleben – oder die ganze Bude kurzweg niederzureißen und ein festes, gesundes Haus an seine Stelle zu setzen? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein, nicht wahr? Die Wenden üben alle Staatsbürgerpflichten auf das gewissenhafteste, haben aber nicht vollen Genuß staatsbürgerlicher Vorteile. Das ist, weil ihnen ihre Tradition anhängt. Ihre schmucke Volkstracht ist in den Augen der Welt doch weiter nichts als das Proletenkleid zurückgebliebener Leute; ihre isolierte Sprache macht sie unfähig zu vielem, macht sie befangen, furchtsam; der alte Aberglaube hält ihre Stirnen umwölkt. Fort mit all diesem Plunder! Heraus aus dem Sandwald ins grüne Land! Heran an den großen deutschen Tisch! Gleiche Rechte! Gleiches Gepräge!«
Mit den flammenden Prophetenaugen begeisterter Jugend stand er vor ihr. Und sie war auch jung, und ihr Herz erglühte im Glauben an ihn und an seine Sache.
»Du bist edel, Juro! Du bist klug! Du hast recht!«
Da faßte er sie fest an den Händen.
»Elisabeth, wirst du es mit mir wagen, was ich vorhabe? Wirst du die Frau des letzten Wendenkrals sein, der sein Volk zur wahren Freiheit führen will?«
»Ja, Juro! Als ich erkannte, wer du eigentlich bist, erschrak ich und glaubte, ich könne nicht deine Frau werden. Ich glaubte, wenn du der König der Wenden bist, müßtest du auch eine Wendin heiraten. Aber so, wie du es vorhast, ist es doch anders. Wenn du die Wenden zu Deutschen machen willst, sollst du selbst eine deutsche Frau haben! Und die will ich von Herzen gern sein!«
Sie küßten sich auch jetzt nicht.
Aber sie ging weit mit ihm über die Felder, als er heimkehrte, und hielt ihn fest an der Hand.