An der Haustür wurde der offene Sarg hingestellt. Die tote Bäuerin, deren Augen halboffen waren, blinzelte noch einmal in ihren Hof hinein. Es war alles sauber und ordentlich. Die zwei Mägde, die das Vieh im Augenblick des Abschieds füttern mußten, rannten so eilig mit ihrem Heu, als fürchteten sie immer noch einen Tadel der Frau. Ein paar junge Mädchen rückten an ihrer Plachta[6], ob sie auch ordentlich säße; einige alte Leute nickten der Toten zu: »Du kannst stolz sein, daß du ein so großes Grabgeleite hast!«
Unter der weißgekleideten Trauergesellschaft standen zwei in schwarzen Gewändern: Elisabeth und ihr Bruder Heinrich. Samo, der einmal die Augen aufhob und die beiden Deutschen sah, dachte bei sich: Sie sind wie schwarze Flecken auf weißen Kleidern.
Die Herbstsonne schien auf den bevölkerten und doch so stillen Hof. Da trat der alte Scholta an den Sarg heran, nahm den Hut ab und sprach laut:
»Vater, in deine Hände befehle ich meine Frau!«
Dann wurde der Sarg geschlossen und nach dem hochgelegenen Friedhof getragen, wo ein Glöcklein mit blechernem Klang läutete. – – –
Alle einfachen Menschen haben das Bedürfnis, zu lärmen, wenn sie einmal eine Zeitlang haben still sein müssen. Nach dem Begräbnis wurde die Dorfstraße überaus lebhaft.
Die Mägde sprachen von dem »prachtvollen Leichenputz«, den die Tote getragen, von den blütenweißen Brusttüchern und der breiten gestickten Seidenschärpe, vor allem aber davon, daß sie in der linken Hand statt des üblichen Sträußchens eine Zitrone gehabt habe.
»Nun, sie war eine Reiche!«
»Und was für eine! Sie ist sogar im Bette gestorben!«
»Arme Leute könnten das nicht!«