»Sie sprechen deutsch mit mir?«

»Ja, Sie sind aus Bautzen, und Bautzen ist, denke ich, eine deutsche Stadt.«

»Sie wissen sehr wohl, wer ich bin, werter Herr, und Sie wissen auch, daß Budissin[12] eine uralte wendische Stadt ist. Was verdrießt Sie an den Wenden? Man hat mir schon gesagt, daß Sie kein Freund der Wenden sind.«

Schmaler hatte ruhig und mild gesprochen; Juro entgegnete heftig:

»Ich bin kein Freund der Wenden? Wer Ihnen das gesagt hat, Herr Schmaler, ist ein Lügner! Wer Ihnen das gesagt hat, ist ein Schuft!«

»Nun, nun, es kommt viel auf die Auffassung an. Wir können ja ganz ruhig miteinander sprechen. Und wenn Ihnen heute eine Aussprache nicht paßt, so verstehe ich das wohl und will Sie gewiß nicht quälen.«

»Wir können miteinander sprechen, Herr Schmaler, aber ich fürchte, wir werden uns nicht verstehen. Ich kenne Sie und Ihr Werk, und ich habe Hochachtung vor Ihren Talenten, Ihrer Ausdauer, Ihrem Opfermut. Sie sind ein Freund der Wenden in Ihrem Sinne, ich bin ein Freund der Wenden im gerade entgegengesetzten Sinne. Ich glaube nicht, daß so scharfe Gegensätze, wie sie zwischen uns sind, sich oft wiederholen.«

»Das soll heißen,« sagte Schmaler düster, »daß Sie alle meine Bestrebungen um die Erhaltung sorbischen Slawentums in der Lausitz verwerfen, wenn nicht gar bekämpfen wollen.«

»So ist es!« sagte Juro aufrichtig.

Schmaler schwieg eine Weile, dann sagte er: