»Ich bin ein Panslawist. Es sind mir oft in slawischen Ländern gute, wohlbesoldete Stellen angeboten worden; ich bin im sächsischen Budissin geblieben, habe dort meine Kraft, meine Gesundheit, mein Vermögen zugesetzt im Dienst der wendischen Sache. Aus Eitelkeit, werden meine Feinde sagen, aus der Sucht heraus, ein Eigenbrötler zu sein, der Beachtung findet. Das mögen sie sagen; ich verachte es.«
»Ich meine, daß Ihre ehrlichen Gegner an Ihren Idealismus glauben, Herr Schmaler; ich jedenfalls gehöre zu diesen.«
»Danke! Das eine kann man mir auch jedenfalls nicht bestreiten, daß ich ein loyaler sächsischer Untertan bin.«
»Sehen Sie, Herr Schmaler, das würde ich bestreiten. Ich glaube, daß Sie Ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen, aber Ihre Seele gehört hinüber zu den Tschechen, mit denen Sie eine Spracheinheit anstreben, mit denen Sie ständig sympathisieren.«
»Was soll ich tun? Sie selbst sagen, daß meine Scholle zerbröckelt. Festigkeit, geistigen Inhalt für meine Sache kann ich nur bei unseren slawischen Brüdern suchen. Ich suche Stärkung bei den Slawen für unser wendisches Volkstum, aber ich suche keinen politischen Anschluß an sie. Ich will die Erhaltung des sorbischen Slawentums innerhalb der bestehenden Staatsverbände. Ist das Landesverrat?«
»Landesverrat nicht! Nein! Sicherlich aber auch nicht Patriotismus, der die Wurzeln seiner Kraft nicht im Auslande hat.«
»Vaterland? – Welches Blut haben uns unsere Väter vererbt? Wo zieht es uns hin?« –
Sie waren inzwischen nahe an das Gehöft gekommen, wo festliches Treiben war. Mitten aus dem Lärm hob sich das widerliche Geschrei eines Betrunkenen ab:
»Njet hordujo ta kóža přepita!«[13]
»Hören Sie! Hören Sie!« keuchte Juro. »Ist das nicht eine Roheit sondergleichen? Ist das nicht gemeiner Kannibalismus! Wenn ich den Kerl erwische, schlage ich ihn nieder!«