Ein Seufzer kam aus der Brust des alten Hanzo, und er wandte sich, ohne weiter ein Wort zu sagen, wieder zu seinen Gästen. Eine Anzahl kam zurück. Es wurde weiter geschmaust und getrunken, aber es ging stiller her. – Schmaler und Samo gingen nun ein Stück den Feldweg entlang. Sie verstanden sich besser.

Schmaler erzählte mit Begeisterung von Prag.

»Ich kann es nicht begreifen«, sagte Samo, »daß mein Vater darauf bestand, ich müsse in Breslau studieren. Mir ist das deutschgewordene Nest, das Slawen gegründet haben, zuwider. Wir wendischen Studenten gehören nach Prag. Denn die Lausitz gehört ebenso wie Schlesien geschichtlich und rechtlich zur ›Koruna ceska‹«[14].

Schmaler schüttelte den Kopf.

»Ich gehe nicht so weit, ich fasse unsere Stellung zu den verwandten Tschechen anders auf!«

»Was man will, muß man ganz wollen, Meister Schmaler. Los von den Deutschen! Die deutsche Länderkrume, die uns von den tschechischen Brüdern trennt, ist dünn genug, daß man sie durchbrechen kann. Wir müssen nur ausharren, festhalten, hier treu bleiben auf dem slawischen Vorposten. Jahrhundertelang hat unser armes Volk den deutschen Druck ertragen und ist slawisch geblieben im fremden Joch, im fremden Land. Sehen Sie dagegen auf die Deutschen! Alle fremden Sprachfetzen lesen sie auf, die vom Schneidertisch anderer Nationen fallen, behängen sich damit und glauben sich geschmückt. Ihre Nationalität hält im fremden Land nicht vom Vater auf den Sohn. Weil sie nichts taugt! Und deshalb werden unsere tschechischen Brüder Tag um Tag weiter vordringen gen Norden, und eines Tages werden wir mit ihnen vereinigt sein. Dann wird man sowohl vor den Mauern Berlins wie vor den Mauern Wiens die slawische Sprache hören.«

»Sie gehen zu weit, Sie gehen viel zu weit in Ihren Plänen und Hoffnungen«, sagte der vorsichtige Schmaler besorgt.

»Ich setze mir ein Ziel: Erhaltung des Sorbentums als Vorposten der siegreich vordringenden Slawen.«

Schmaler schwieg. Er mochte sich zu solch kühnen Worten nicht äußern.

»Liegt es nicht an der Feigheit unserer Intelligenz, wenn das Sorbentum leider Gottes zurückgeht?« fuhr Samo fort. »Wenn wir solche Führer haben wie meinen Bruder Juro, dann Gnade uns Gott!«