»Das genügt mir!« sagte Samo, und seine dunklen Augen funkelten.

Dann sprach er von der Zeitung, die Schmaler herausgab, von der »Sorbske Nowiny«. Er lobte Schmalers Bestreben, die deutschen Fremdwörter und Lehnformen aus der wendischen Sprache auszurotten und überall da, wo ein rein wendisches Wort nicht vorhanden war, tschechische Formen einzuführen. Er versprach auch, selbst an der »Sorbske Nowiny« mitzuarbeiten, zog ein Zeitungsblatt aus der Tasche und wies auf einen Artikel.

»Den müssen Sie abdrucken. Der trifft das Richtige!«

»Sie lesen Russisch?« fragte Schmaler.

»Ja, ich habe mich von Kindheit an mit dieser Sprache befaßt.«

Schmaler, der ebenfalls des Russischen mächtig war, las:[15] »Wir Slawen bewundern den Genius der Semiten auf dem Gebiete religiöser Schöpfungen, den der Griechen auf dem Gebiete der Wissenschaften und Künste, den Genius der Römer auf dem Gebiete des Rechts und der Politik; wir bewundern den begeisterten Schwung des Spaniers und Italieners, das gesellschaftliche Talent und den Geschmack des Franzosen, die schöpferische Kraft und die Erfindungsgabe des Engländers. Was kann dagegen der Deutsche für sich beanspruchen? Was ist an ihm genial, was ideal, was vollendet? Ist sein Glaube nicht abstrakt und sein Unglaube kühl, seine Philosophie phantastisch und seine Poesie philosophisch? Seine soziale Existenz, sein Feudalismus, sein Junkertum, sind sie nicht die Negation der Menschenrechte, die organisierte Gewalttat? Können seine gute militärische Disziplin, seine Mäßigkeit und Akkuratesse, sein kaltes, herzloses, maschinenartiges Ausführen dessen, was ihm befohlen wird, selbst auf Kosten der geheiligten Gefühle der Großmut und des Mitleids – können sie dieses Volk erheben und Liebe erregen? Können seine Arbeitsamkeit und Pünktlichkeit den Mangel an Humanität und schöpferischer Kraft ersetzen? Möge die geschichtliche Vorsehung die Slawen vor dem Wege der Entwicklung bewahren, auf dem sie den Deutschen ähnlich werden könnten!«

»Haben Sie das selbst geschrieben?« fragte Schmaler.

Samo zuckte die Achseln.

»Geschrieben oder nicht, es ist meine Meinung. Und Sie sollen den Artikel abdrucken.«

»Nein«, sagte Schmaler, »er ist zwar geistreich, aber er schießt über das Ziel hinaus. Die Russen können unmöglich den Deutschen den Vorwurf kalter Herzlosigkeit, Unfreiheit und schöpferischer Unproduktivität machen. Solche Angriffe verfehlen ihren Zweck.«