»Hm! Dieses Korn scheint wirklich ganz dämpfig zu sein,« sagte der Müller; »sieh mal, Peter, die Säcke sind naß, wie wenn sie aus dem Wasser gezogen wären. Da bin ich betrogen worden. Am besten ist es, wir schaffen das Zeug bald weg. Schütte es augenblicklich in die große Schrotmühle; wir machen Schweinefutter daraus!«
Wie der Schneider etwas von der Schrotmühle und vom Schweinefutter hörte, schrie er laut auf vor Angst, warf sich um und rollte durch den Hof. Von den anderen beiden Säcken begann der eine zu hüpfen, der andere um Hilfe zu schreien. Der Peter schrie, der Müller schrie, die anderen Knechte kamen gesprungen und schrieen, die Bluthunde heulten, und es ward ein großer Lärm.
Das Ende vom Liede war, daß die Säcke geöffnet und die drei Räuber herausgezogen wurden. Triefend von Schweiß, mit angstverzerrten Gesichtern und schlotternden Beinen standen sie da, und als einer der Knechte rief:
»Die haben sich einschleichen wollen; das sind Räuber!« ging ein toller Lärm an. Der Schuster, der Schneider und der Hutmacher bekamen so viel Prügel, wie nie drei Räuber oder sonstige schlichte Bürger Prügel bekommen haben. Halb totgeschlagen wurden sie endlich zum Tore hinausgeworfen. Dort blieben sie anfangs wie betäubt liegen; dann krochen sie, hinkten sie, schleppten sie sich in den Wald hinein.
Dort trafen sie Wolfsklaue.
Als er hörte, was vorgefallen war, sprach er ihnen erst sein Bedauern aus, dann hieb er sie noch einmal durch, indem er sagte:
»Ein richtiger Räuber darf nicht zucken und mucken, auch wenn er zu Schweinefutter gemahlen werden soll.«
Wochenlang kühlten sich die Räuber ihre brennenden Gebeine. Sie lagerten sich ins weiche Moos und legten sich gegenseitig Salben und kühlende Kräuter auf. Wolfsklaue erschien nur alle drei Tage bei ihnen, brachte ihnen einige Stücke harten Brotes, das sie sich im Wasser des Baches aufweichen mußten, und tat sich selbst bei Braten und Wein lecker. Manchmal erzählte er von seinen Taten; Schlösser hatte er ausgeraubt, reisende Kaufleute überfallen und andere einträgliche Geschäfte gemacht. So strotzten seine Finger von funkelnden Ringen; er hatte in jeder der sechs Taschen seiner rotseidenen Weste eine Uhr stecken und eine Kette daran und trug in jeder Hand zwei Spazierstöcke mit silbernen Knäufen. Jedesmal kam er auf einem anderen Roß angeritten, die immer aus Arabien stammten; die gestickten Decken waren aus Persien, das Lederzeug aus England, die Beschläge aus Italien. Aus Deutschland war nichts, das wäre zu gewöhnlich gewesen.