Aber als die Sonne aufging, hatte des Hutmachers große Redekunst über alle Besorgnisse gesiegt, und es war ausgemacht, das nächste Mal Wolfsklaue zu überfallen, sobald er seine Waffen abgelegt hatte und seine Dogge in den Büschen verschwand, um nach Wildfährten zu spüren. –

Der dritte Tag erschien; aber Wolfsklaue erschien nicht. Da bekamen die drei Angst, er möge am Ende von ihrem Anschlag Wind bekommen haben.

»Man kann bei ihm nie wissen, was er im Schilde führt!« sagte der Schneider besorgt. Die beiden anderen schwiegen und sahen bedrückt vor sich hin. Es war ganz still im Walde. Kein Laut rührte sich. Nur die Magen knurrten von Zeit zu Zeit im Dreiklang, oder ein Schluchzer oder Seufzer kam aus einem bärtigen, verwilderten Räubermunde.

Am vierten Tage erschien Wolfsklaue. Er trug eine flimmernde Königskrone auf dem Kopf, ein ganzes Bündel von Spazierstöcken mit goldenen, silbernen und demantenen Knäufen unter dem linken Arm, unter dem rechten hatte er ein Szepter gequetscht, und in der Hand hielt er eine goldene Kugel. Von seinen Schultern fiel ein Purpurmantel, der mit Edelsteinen übersäet und so lang war, daß er den halben Waldweg entlang schleifte. Um den Hals trug er so viel goldene Ketten, daß sich unter der Last sein Nacken krümmte; seine Brust und sein Bauch waren wie ein Spiegel, weil dort gar so viele Orden blitzten, sein rechtes Hosenbein war aus himbeerrotem Sammet, sein linkes aus bernsteingelber Seide, an dem rechten Fuß hatte er einen Stiefel von Elenleder, an dem linken einen perlengestickten Pantoffel.

Der Schneider, der Schuster und der Hutmacher sprangen ob des wunderbaren Anblicks in die Höhe und fielen dann platt auf die Nasen.

»Guten Tag, meine Herren,« sagte Wolfsklaue freundlich und lüftete die Krone; »ich freue mich, euch so wohl zu sehen. Ihr habt euch jedenfalls hier gut unterhalten. Ich habe inzwischen ein kleines Geschäft erledigt. Ich hatte eine Zusammenkunft mit dem Könige von Polen. Ihr seht, daß ich mir einige kleine Andenken mitgebracht habe. Es war wirklich sehr nett!«

Er winkte dem Hutmacher, ihm vom Pferde zu helfen, gürtete sich sein Schwert ab, das er dem Schneider übergab, nahm seine Pistole aus dem Gürtel und gab sie dem Schuster, raffte schließlich seinen Purpurmantel zusammen und legte sich auf die Erde.

»Aber anstrengend ist es, meine Herren, sehr anstrengend! Ihr glaubt gar nicht, wie müde ich bin! Siebzehn Kammerdiener und achtundfünfzig Soldaten habe ich erst entfernen müssen, ehe ich mit Se. Majestät unter vier Augen reden konnte. Gebt mir doch mal die Flasche aus der Satteltasche. Es ist alter Malvasier drin. Und füllt eure hohlen Hände dort am Brünnlein, und dann wollen wir mal auf meine Gesundheit trinken.«

Es geschah alles, wie Wolfsklaue es wünschte. Die drei armen Hascher füllten ihre Hände an der Quelle, und dann mußten sie mit der Hand an Wolfsklaues goldenem Becher anstoßen und »Zur Gesundheit!« sagen.