Eines Tages sagte Wolfsklaue zu dem Schuster:

»Jetzt reite aus. Glaube mir, daß dir kein Ritter im Morgen- und Abendland gleicht. Du bist ganz einzig in deiner Art. Reite dahin und verkündige den Ruhm des kommenden Prinzen von Czernagora.«

Der Schuster trug eine blitzende Rüstung, hatte eine Lanze in der Hand, die neun Ellen lang war, und saß auf einem prachtvollen Roß. Sein strohgelber Schädel war von einer schwarzen Perücke wohltuend überdeckt, und selbst sein Auge hatte etwas Kühnes bekommen.

So ritt er dahin. Wolfsklaue in der bescheidenen Tracht eines Dieners zeigte ihm den Weg. Er gab ihm noch einmal viel gute Lehren, sagte ihm, er solle mit tapferen Rittern sich im Turnierkampf messen und, wenn er gesiegt habe, ja nicht vergessen, zu sagen, daß er nur der bescheidenste aller Mannen des czernagorischen Prinzen sei.

Der Schuster sagte zu allem »Ja!« Im Innern aber dachte er:

»Daß ich ein Esel wäre, wenn ich gesiegt habe, mich als einen geringen Mann zu bezeichnen. Dann werde ich mich schon in anderem Lichte zeigen, und wer weiß, ob sie nicht mich selbst zum Herrn der Burg ausrufen.«

So kamen sie auf eine waldige Berghalde und sahen in der Ferne die leuchtenden Zinnen der Burg. Sie lag im hellen Sonnenlicht; dreizehn Türme und viele Erker schmückten sie gar herrlich; eine starke Mauer umgürtete ihre vielen Gebäude und Höfe, und vier Wallgräben zogen sich um sie her, davon war der erste mit Wasser, der zweite mit Tinte, der dritte mit Schwefelsäure, der vierte mit glühendem Blei gefüllt, so daß es für alle Feinde sehr mühsam war, die vier Gräben zu durchschwimmen.

Als der Schuster die Burg sah, wurde ihm übel. Aber Wolfsklaue gab ihm aus einem Fläschchen zu trinken, das einen ungeheuren Mut in die Adern des Schusters ergoß, und so zog er wohlgemut dahin, nachdem Wolfsklaue ihm glückliche Reise gewünscht hatte und umgekehrt war.