Von den dreizehn Türmen des Schlosses klangen die Hornsignale der Wächter, daß ein Fremder daherziehe. Der Schuster dachte: die blasen so niederträchtig laut, daß mir noch mein Roß scheu werden wird. Da sah er auch schon, wie sich auf den Söllern und Mauern der Burg hunderte von edlen Rittern, wunderschönen Edeldamen und allerhand Kriegsvolk ansammelte, um nach dem nahenden Fremdling auszuschauen. Der Schuster hob seine neun Ellen lange Lanze zum Gruß, und der Federbusch auf seinem Helm spielte im Winde. Er kam sich ganz herrlich vor, und alle Angst war verschwunden.

Da begegnete ihm auf einem Kreuzweg ein Reiter.

»Hallo,« dachte der Schuster, »das ist der rechte Mann, einen Waffengang mit ihm zu wagen und vor allem Volk auf der Burg meine Tapferkeit und Geschicklichkeit zu erweisen.« Er nahm also seinen Helm ab, machte eine Verneigung und sagte: »Entschuldigt, edler Herr, beliebt es vielleicht, Euch im ritterlichen Kampfe mit mir zu messen?«

Ein Gelächter erscholl von der Burg, und der Reiter lachte auch. Da faßte den Schuster ein wilder Zorn, er trieb sein Roß an, stürmte gegen den Reiter, hob die Lanze und bohrte sie tief – in die Luft neben dem Reiter. Er selbst verlor ob des Anpralls das Gleichgewicht und purzelte in den Straßengraben.

Nun rasselte die Zugbrücke der Burg; Ritter und Damen eilten herbei, und die Ritter lachten so tief und schauerlich, daß es klang, wie wenn alte Wagen mit eisernen Rädern über spitze Steine fahren, oder wie wenn man mit klobigen Hämmern auf leere Fässer schlägt, und die Damen girrten und zwitscherten wie silberne Tauben in der Luft oder wie blaue Schwalben am Dachsims.

Das verdroß den Schuster; er arbeitete sich aus dem Graben heraus, verlor dabei seinen Helm und seine schwarze Perücke, stand mit seinem strohgelben Schädel da, machte ein dummes Gesicht und schrie:

»Ich bin der beste Ritter des Prinzen von Czernagora.«

O, wie rollten die Wagen, wie dröhnten die Fässer, wie girrten die Tauben, wie zwitscherten die Schwalben!

»Mit einem Knecht, mit einem waffenlosen, ganz gewöhnlichen Roßknecht hat er angebunden, und ist von ihm besiegt worden! Welch ein Spott, welch ein Spott!«