»Nein, se werden der nich erkennen,« beschwichtigte ihn Wolfsklaue. »Ich sage dir, Schneider, du bist ein Itzig, wie er sein soll.«
In der Tat sah der Schneider aus wie ein jüdischer Händler. Wochenlang hatte er sein Gesicht den Sonnenstrahlen aussetzen müssen und sich nicht mehr waschen dürfen, so daß er eine schöne dunkle Hautfarbe hatte; Wolfsklaue hatte ihm eine Perücke mit langen schwarzen Locken verschafft, ihn auch sonst ganz richtig ausstaffiert, ihm sogar den leutselig verschmitzten Blick solcher Händler einstudiert.
Nun übergab ihm Wolfsklaue zwei Kästen. In dem oberen waren allerhand billige, aber bunte und schön anzuschauende Gebrauchsgegenstände für das Dienstvolk; in dem unteren lagen prachtvolle Goldgeschmeide und herrliche Edelsteine in allen Farben und Größen für Ritter und Edelfrauen.
Der Schneider nahm Abschied und machte sich auf den Weg. Als er allein im Walde war, öffnete er den unteren Kasten, betrachtete die Kostbarkeiten und dachte bei sich:
»Was nutzt es mir, wenn ich diese schönen Dinge auf der Burg verkaufe? Der Prinz von Czernagora wird kommen und mir den Erlös abnehmen. Höchstens werde ich einen kleinen Profit behalten. Besser ist es, ich wandere nach Prag, verkaufe dort meine Waren und freue mich dessen, was ich dafür erhalte.«
Also machte sich der Schneider nicht auf den Weg nach der Burg, sondern marschierte auf der Landstraße gen Prag. Als er aber einen halben Tag gewandert war, kam ihm plötzlich Wolfsklaue entgegen. Der Schneider erschrak des Todes. Wolfsklaue aber lächelte und sagte:
»Schneider, du verläufst dich! Hier geht es nach Prag. Die Burg liegt dir genau im Rücken. Sei also so freundlich und kehre um. Ich werde dich begleiten, bis du durch die Burgpforte hineingegangen bist, damit du dich nicht noch einmal verirrst.«
Der Schneider knirschte innerlich vor Wut über diese Begegnung; äußerlich aber mußte er tun, als freue er sich sehr, daß er vom unrechten Weg abgebracht worden war, und mußte sich Wolfsklauens Begleitung gefallen lassen, der mit ihm ging, bis die Burg in Sicht war, und sich dann unter einem Baum auf die Lauer setzte.