So wanderte der Schneider den Talweg entlang der Burg zu. Auf einer Wiese sah er ein Mädchen stehen. Es war eine Gänsehirtin. An die ging er heran, lüftete seine Kappe und sagte:
»Scheens Freilein, woll'n Se vielleicht kaufen ä Paar hochfaine Strumpfbänder?«
Das Mädchen lachte mit seinem kirschroten Mund, daß man alle ihre schönen weißen Zähne sah, und sagte:
»Ich habe noch nie Strümpfe gehabt; ich gehe immer barfuß. Und ich habe noch nie einen Pfennig Geld in der Hand gehabt.«
»Dumme Gans!« brummte der Schneider und klappte den Kasten zu.
Da kam des Wegs eine Edeldame geritten. Sie war prächtig aufgeputzt, trug einen Falken auf dem Finger, und hinter ihr ritt ein Forstmann. Als sie den Schneider sah, hielt sie ihr Roß an und rief:
»Heda, Hebräer, was hast du Schönes in deinem Kasten?«
Der Schneider stürzte herbei, machte eine Verneigung, sah der Dame ins Gesicht und stotterte:
»Ich könnte Euch geben, gnädigste Frau Ferstin, ä sehr ä gutes Mittel gegen rote Nase.«