»Hier, Frau Burggräfin,« sagte der Jude wohlwollend und drückte ihr ein Büchslein Salbe in die Hand. »Ich verrat nix!« – – –

Auf der Burg wurde der Schneider von den Damen mit aufgeregtem Gezwitscher, von den Herren mit freundlichem Gebrumm und Gegrunz aufgenommen. Alle wollten die prachtvollen Steine sehen, jedes wollte wenigstens eines der köstlichen Stücke, die der Jude um ein Spottgeld abgab, für sich kaufen. Selbst der Burgherr kam und erstand einen funkelnden Rubin, der so groß wie ein Apfel war und einen prachtvollen Schmuck für einen Degengriff abgeben mußte.

In dieser Burg lebte aber wie in allen Burgen ein Alchimist. Dieser berühmte und gelehrte Mann hatte versprochen, aus Kupfer Gold zu machen und ein Lebenselixier zu brauen, das ewige Jugend verlieh. Er hatte zwar sein Versprechen noch niemals eingelöst, aber man konnte nicht wissen, ob er es nicht am ersten besten Tage tun werde. Er stand darum in hohem Ansehen.

Der Alchimist zog sich nun in seine Hexenküche zurück, kam nach einiger Zeit wieder und verkündete:

»Alles Geschmeide, das der Jude verkauft hat, und alle seine Steine sind unecht und ohne Wert.«

Da schrien die Männer, da schrien die Frauen vor Wut.

Der Schneider aber stand lächelnd da und sagte:

»Dieser Gelehrte ist ein Dummkopf. Meine Steine und mein Gold sind echt. Und wenn ihr mir nicht glaubt, so wartet, bis mein Herr, der Prinz von Czernagora, kommt, der wird es euch bezeugen.«

Kaum hatte der Jude den Namen des Prinzen von Czernagora ausgesprochen, so wurde er auch schon gepackt und flog ins Verließ. Die Goldgeschmeide und die Steine aber wurden in den Brunnen geworfen, wo sie liegen bis auf den heutigen Tag.

Nur der Burggraf behielt seinen Rubin, und die Burggräfin behielt das Büchslein mit der Nasensalbe.