»Solch treffliches Handwerk soll man sich in der Welt suchen.«

Nun aber begann ein Sturm auf die Verkaufsstände der drei. Jeder wollte bei ihnen einen Anzug, ein paar Stiefel, einen Hut kaufen.

Da entstand ein Tumult auf der anderen Seite des Marktes. Der König von Polen zog in die Stadt ein. Er hatte siebzehn Kammerdiener und achtundfünfzig Soldaten bei sich. Aber er sah etwas schäbig aus. Die Krone und die Edelsteine hatte er aus Geldnot versetzen müssen, und die himbeersamtne und bernsteingelbe Hose war im Laufe der Jahre ein wenig fadenscheinig geworden. Trotzdem wurde er mit großer Ehrerbietung bewillkommnet. Er hörte aber kaum auf die Begrüßungsworte des Bürgermeisters und beachtete nicht die Bücklinge des Ratsdieners, welcher ihn für den Grafen Schaffgotsch hielt, sondern steuerte auf den Verkaufsstand der drei Freunde zu und wählte einen Federhut, einen Seidenmantel und ein Paar hirschlederne Stiefel. Er bezahlte zwar nicht, aber er stellte einen langen Schuldschein aus.

Nun schien das Glück der drei Handwerker gemacht zu sein. Aber noch einmal faßte sie ein tödlicher Schrecken. Der Burgherr, der sie einmal hatte hängen lassen, kam mit einem Troß reisiger Knechte daher. Da duckten sich die drei armen Hascher tief über ihre Tische, und jeder von ihnen preßte beide Hände vor die Kehle.

Der Burgherr aber erkannte sie nicht. Er pries ihre Ware, kaufte den ganzen Rest und sagte zuletzt:

»Bares Geld habe ich nicht bei mir; aber ich gebe euch diesen Rubin, der so groß ist wie ein Apfel. Verkaufet den kostbaren Stein und teilt euch in den Erlös.«

Dann ritt er von dannen. Die drei Handwerker seufzten tief und erleichtert auf. Der Schneider aber sagte leise:

»Brüder, den Stein kenne ich. Er ist leider falsch. Aber es genügt uns, wenn uns das Leben und die Freiheit bleibt.«

Wie erstaunten sie aber, als bald darauf ein Frankfurter Jude zu ihnen kam, ihnen den Rubin für einen hohen Preis abkaufte und auf des Schneiders ehrliche Einwendung sagte: nur ein Dummkopf könne den Rubin für unecht halten; es sei der schönste Stein, den es je gegeben.