»Trudelchen, wenn sie voll puren Goldes ist, müssen es an die tausend Taler sein!«
Auf einmal hob sich der Deckel der Kiste von selbst – der Müller und die Trudel wichen erschrocken zurück – der Kistendeckel wurde beiseite geschleudert – und wie aus einem Grabe heraus erstand eine Gestalt und ragte mit dem halben Körper aus der Erde.
Es war Reinhard.
»Müller,« rief er mit feierlicher Stimme, »wisse und glaube: ich bin der Schatz, der dir und deiner Mühle und deiner Trudel bestimmt ist. Höhere Mächte haben mich hier eingegraben; jetzt bin ich Euch verliehen und Euer eigen.«
Das Trudelchen hatte erst ein bißchen erschrocken aufgequiekt, aber dann stand es eins, zwei, drei neben Reinhard in der Kiste und rief immerfort:
»Ja, ja, ja, so ist es, so ist es, so ist es!«
Und plötzlich kam etwas aus dem Zaungebüsch dahergerannt, und ob es auch geisterhaft aussah, wie es so daherhuschte, erwies es sich doch bei näherer Betrachtung als das Jakoble, und das rief:
»Ja, das ist der geheimnisvolle Schatz! Ich weiß es und kann es bezeugen.«
Um das Schmerzliche ganz kurz zu sagen: den Müller erfaßte eine Riesenwut. Er prügelte zuerst das Jakoble windelweich, dann stürzte er sich auf Reinhard, und er brüllte so laut, daß alle Leute in der Mühle zusammenliefen. Denen erklärte er nun in japsenden Sätzen, mit einer Stimme, die vor Wut schrill wurde und sich überschlug: er sei genarrt, sei betrogen, sei von Spitzbuben geprellt; sein kostbarer Schatz, der unter dem Apfelbaum gelegen, sei ausgegraben, sei von diesen Dieben und Räubern gestohlen, und sie müßten nun alle, alle an den Galgen.