In der Nähe wohnte ein doppelter Sicherheitsmann, der zu gleicher Zeit Bahnwärter und Polizist war. Dieser Mann wurde herbeigeholt, Reinhard und Jakoble wurden überwältigt, es wurden ihnen Hände und Füße gebunden, wie es Räubern geziemt, und ihnen dann befohlen, mit dem Sicherheitsmann nach dem Amtsgefängnis zu marschieren. Zwecks Ausführung dieses Polizeibefehls mußten den Gefangenen die Füße wieder freigegeben werden.
Die Trudel weinte so laut, daß der ganze Hof und Garten aufwachte, die Vögel zu zwitschern, die Kühe zu brummen begannen und der Hahn zu krähen anfing.
Eberhard Schleifle, der Bahnwärter und Polizist, beförderte durch die dunkle Nacht seine beiden Gefangenen zum Gerichtsgefängnis, das zwei Stunden von der Waldmühle entfernt war. Er trug als Waffe einen Spieß, der so schwer war wie weiland der Spieß Goliaths: sein Schaft war wie ein Weberbaum. Da nun Eberhard Schleifle den ganzen Tag schwere Bahnwärterdienste getan hatte, indem er fünf Eisenbahnzüge an sich hatte vorüberfahren sehen, so war er müde und gab dem Jakoble seinen Amtsspieß zu tragen. Zu diesem Zweck band er ihm die Hände los. Auch den Reinhard befreite Schleifle von den Handfesseln, weil sie ihn in dem Augenblick behinderten, als alle drei gemeinschaftlich eine Prise Tabak schnupfen wollten. Als die drei nun auf solche Weise ans Gefängnis kamen, war dieses geschlossen. Es ist auch nicht mehr als recht und billig, daß Gefängnisse des Nachts geschlossen sind. Der Polizist kehrte also mit seinen Gefangenen in ein Gasthaus ein, wo eben eine Hochzeit gehalten wurde, und gedachte da den Morgen abzuwarten. Er und Jakoble tanzten mit den Brautjungfern, Reinhard aber hielt sich traurig beiseite, denn er dachte an die Trudel. Am nächsten Morgen wurde er mit Jakoble eingekerkert. Die Zelle war so eng, daß Reinhard seufzte und sprach: »Hier hat man fast so wenig Luft wie in der Kiste, als sich der Müller grade oben auf das Luftloch gesetzt hatte; denn da wäre ich fast erstickt und mußte gewaltig anklopfen.«
Ach, du schwere Zeit! In der Waldmühle schlug die Uhr keine gute Stunde mehr. Der Müller ging in verbissener Wut umher; die Trudel weinte sich die Augen rot, wenn sie daran dachte, wie Reinhard und Jakoble von dem barbarischen Eberhard Schleifle so roh davongeführt worden waren.
Nun war es damals wie immer im Mai: es war kalt. Die Eisheiligen hatten sehr strenge Herrschaft aufgetan, und der Müller saß eines Abends am Ofen und fror. Es war um die Dämmerstunde, und alle Leute waren in den Ställen beschäftigt. Der Müller war allein.
Da tat sich die Tür auf, und ein fremder Mann trat ein, der war in einen schwarzen Mantel gehüllt und hatte den Hut tief ins Gesicht gezogen. Er grüßte nicht und stellte sich dem erstaunten und erschrockenen Müller ganz nahe gegenüber. Und er tat seinen Mund auf und sprach ohne jede weitere Einleitung:
»Müller! Müller! Gold ist Wind!«