Der Fremdling nahm nun den Hut ab und strich sich durch die Haare. Da zischten und blitzten Flammen daraus; auch begann die Nase des unheimlichen Gastes in grellem Lichte zu leuchten. Zwei große Augen richteten sich auf den zitternden Müller, und der Fremde sprach:

»Den wahren Schatz hast du verschleudert; den Mann, der dir aus Wind und Wasser und Erde Gold gemacht hätte, hast du verjagt, und als ihn dir die höheren Mächte zurückbrachten, hast du ihn einem abscheulich verrohten Kerkermeister übergeben. Wenn du ihn nicht freimachst und ihn nicht deiner Trudel vermählst, so wird all dein Hab und Gut zerrinnen, so bist du über Jahr und Tag ein Bettler. Bedenke das wohl. Ich sage es, ich, der große Zauberer Kiutschitsufilutschi.«

Und der Zauberer griff mit der rechten Hand eine kleine Trommel, mit der linken einen Schläger aus der Luft, schlug einen kurzen, dumpfen Wirbel, öffnete seinen Mund und spie Rauch und Flammen aus, warf Trommel und Schläger durchs geschlossene Fenster hinaus, nahm eine große Wurst vom Tisch, die sich zusehends in eine Schlange verwandelte und ihm in den Halskragen kroch, verwandelte ein Stück Speck, das dalag, in eine Maus, die in seine Rocktasche schlüpfte, und verschwand knarrend durch die Tür.

Den Müller schwitzte und fror in dem gleichen Augenblick. Lange saß er fassungslos da, dann schrie er um Hilfe. Das Trudelchen kam gesprungen und war außer sich vor freudigem Schreck, als ihr der Vater keuchend sagte:

»Trudelchen, zieh dir eine Jacke an; wir müssen augenblicklich den Reinhard aufsuchen, und du mußt ihn heiraten! Es ist etwas Schreckliches geschehen: du mußt jetzt den Reinhard heiraten, oder ich werde ein Bettler.«

O, wie flink hatte das Trudelchen die Jacke an und das Tuch über den Kopf gebunden! Die beiden machten sich nun auf und gingen zu Herrn Schleifle, der eben vor der Tür seines Bahnwärterhauses damit beschäftigt war, sich mittels eines Steines auf der Schiene Haselnüsse aufzuklopfen.

Er hielt in seiner Arbeit inne und sah die beiden erwartungsvoll an.

»Schleifle,« sprach der Müller, und man hörte ihm an, daß ihm das Reden schwer wurde, »Schleifle, du bist ein Mann der Gerichtsbarkeit. Du hast den Reinhard eingesperrt und mußt nun sehen, daß du ihn wieder herausbekommst, denn mein Trudelchen muß ihn heiraten.«

Herr Schleifle war sehr erstaunt, und indem er einige Haselnußschalen von der Schiene putzte, dachte er bei sich: Ei, ei, seht an, das Mädel hat den Alten herumgekriegt; nun soll es ihn aber auch was kosten! Er schob also seine Amtsmütze aufs linke Ohr und sagte:

»Reinbringen ist leicht; rauskriegen ist schwer! Reinhard sitzt da drin im Namen des Gesetzes; ich kann ihn nicht begnadigen.«