Der Müller griff in die Hosentasche und ließ von ungefähr einen blanken Taler sehen, aber Schleifle, der schnell im stillen ausrechnete, drei Taler seien mehr als einer, meinte:

»Die Obrigkeit sieht nicht aufs Geld. Reinhard ist nun einmal ein Räuber und muß dafür brummen.«

In diesem Augenblick kam ein Zug angesaust.

Herr Schleifle, der dieses Ereignis nicht vermutet hatte, sprang beiseite und stand stramm, in der einen Hand den Stein, in der anderen die Haselnußtüte. Auch als der Zug fort war, blieb Herr Schleifle fest und meinte, die Geschichte mit Reinhard sei ein schwerer juristischer Fall und er könne da vorläufig nichts tun.

Mit diesem Bescheid mußten sich die beiden begnügen, und der Müller ging verdrossen mit dem weinenden Trudelchen heim. Was sollte nun werden? Der unheimliche Fremde, der so unerhörten Zauber ausüben konnte, hatte gedroht, der Müller würde zum Bettler werden, wenn der Reinhard die Trudel nicht heiratete. Und Schleifle war als Beamter wie von Stahl und Eisen. Was sollte nun werden?!

Eine schwermütige Nacht brach an. Das Trudelchen war schluchzend nach seiner Schlafkammer gegangen; der Müller saß allein und hörte den Nachtwächter die zehnte Stunde tuten. Die Zukunft lag erschreckend und trostlos vor ihm. Wie der Fremdling Trommel und Schlägel durchs geschlossene Fenster geschleudert hatte, so würde all Müllers Geld und Gut auf die Gasse fliegen, er mochte es verschließen und bewachen, wie er wollte. Und wie sich Müllers schöne Wurst und sein saftiges Stück Speck in eine Schlange und eine Maus verwandelt hatten, so würde all seine Habe der Geier holen. Wer kam gegen Zauber an?

Wie nun der Ärmste noch in so schweren Gedanken dasaß, hörte er plötzlich vom Garten her wieder das silberhelle Klingen des Glöckleins. Mit drei Sätzen war der Müller im Hof, ergriff den Spaten und eilte nach dem Garten. O, wenn der Reinhard wieder unter dem Baume in der Erde steckte, welch ein Glück!

Der Müller stieß den Spaten in den Rasen, hob die Schollen ab, grub, grub um den ganzen Baum herum, und fand schließlich ein Kästlein, das zwar nicht ganz klein war, aber sich doch bequem in den Händen tragen ließ.

Wie betäubt stand der Müller mit dem Kasten da, stand wohl länger als fünf Minuten still, ehe er die Kraft fand, mit dem Schatz nach der Stube zu gehen.