Dort öffnete er den Kasten und stieß einen jubelnden Schrei aus.

Gold! Gold! Gold! Pures, eitles, blinkendes Gold! Flimmernde Stücke ohne Zahl! Der Müller schloß die Augen, nahm drei, nahm zehn Münzen, nahm beide Hände voll und lachte und schluchzte und verschluckte sich und bekam einen Krampfhusten vor lauter Freude.

Zehnmal wühlte er die Hände in den goldenen Segen. Das war ein Reichtum ohne Maß. Auch Diamanten, Rubinen und schimmernde Smaragdsteine waren unter den Münzen, und manch einer von den Edelsteinen war so groß wie ein Taubenei.

Der Müller brach in Tränen aus. Er war reich, reich wie kein Mensch der Welt, reicher als der Kaiser, reicher als der Sultan, reicher selbst als Herr von Pritzewitz, der drei Rittergüter besaß! Nun war alles gut und herrlich, nun konnte sich sein Trudelchen goldene Schuhe und silberne Schürzen kaufen, und jeder Jackenknopf sollte ein Demant sein. Und den Reinhard wollte er loskaufen, den Reinhard –

Hm! Halt! Halt! Hm! Vorsicht! Immer sachte!

Man brauchte nichts zu voreilig zu tun, man konnte es sich überlegen. Wer war er jetzt, der Müller, wer war die Trudel, und wer war der arme Reinhard? Unerhört wäre es, wenn ein Müllerbursch eine Prinzessin heiratete, die die Erbin solcher Güter war, die einen Fürsten oder gar einen Offizier bekommen könnte. Müller übereil' dich nicht! Wenn das Mädel das hier sieht, diese Pracht, diesen märchenhaften Reichtum, dann wird sie schon von selbst vernünftig werden. Der Zauberer? Der Zauberer mit seiner Prophezeiung? Wo ist seine Prophezeiung? Wenn er der Teufel gewesen ist, muß er ein sehr dummer Teufel gewesen sein. Ist das der Rückgang von Müllers Wohlstand? Kann soviel Geld und Reichtum überhaupt je zu Ende gehen? Unsinn! Müller, sei fest, jetzt kann dir kein böser Geist mehr was anhaben. Halloh, nun mußte noch alles anders, ganz anders kommen, mußte so kommen, wie es der Müller wünschte. – –

Es klopfte ans Fenster. Der Müller erschrak und schloß den Kasten. Draußen an den Scheiben wurde das rote, umfangreiche Riechorgan Herrn Schleifles sichtbar. Der Müller ging in den Hof hinaus.

»Was willst du?«

Herr Schleifle machte eine hoheitsvolle Amtsmiene.

»Müller,« sagte er, »ich hab mir's überlegt und die Gesetzbücher nachgeschlagen. Ich könnte den Reinhard doch vielleicht freikriegen. Aber es ist ein schwieriger Fall. Und Spesen wird's machen, viel Spesen.«