Der Müller sah Herrn Schleifle hochmütig an.

»Ich brauch' dich nicht mehr, Schleifle. Es ist anders gekommen. Meinetwegen kann nun der Reinhard solange im Gefängnis sitzen, wie ihm und den Herren Richtern beliebt. Nicht einen Pfennig gebe ich für ihn her.«

Damit schlug er dem verdutzten Gerichtsmann die Tür vor der Nase zu und ging nach der Stube zurück. Dort wartete er, bis er sich völlig unbeobachtet wußte, und öffnete dann wieder sein Schatzkästlein.

Da starrten seine Augen – – da stieß er einen Schrei aus, der durch die ganze Mühle gellte, und fiel schwer zu Boden. – – –

Das Trudelchen fand ihren Vater vor einem geöffneten Kästlein, in dem nichts war als ein paar Scherben, ein paar Kieselsteine, ein Bündelchen dürres Gras und ein Häufchen Asche.


Vierzehn Tage lang lag der Müller krank, dann stand er auf, tat Geld in seinen Beutel und wanderte nach dem Amtsgericht. Dort fragte er nach Reinhard. Er hörte, daß Reinhard und Jakoble inzwischen nach der Stadt hineingeschafft und dort von dem Gericht freigegeben worden wären, da keine Schuld an ihnen gefunden worden sei.

Der Müller wanderte nach der Stadt und fragte nach Reinhard und Jakoble. Sie waren auf und davon; niemand wußte wohin.

Da ging der Müller aus der Stadt hinaus, setzte sich auf einen Wiesenrain und schluchzte zum Steinerbarmen. Nun wußte er, daß sein Glück dahin war, wußte, wie grausam sich die Prophezeiung des fremden Zauberers erfüllen würde. Eine ingrimmige Reue erfaßte den Müller. Wie hatte er sein Glück verscherzt! Nun mußte er ein Bettler werden, wenn er Reinhard nicht fand und nicht Schuld und Strafe von sich und seiner Mühle abwandte. Suchen mußte er den Reinhard, suchen, und wenn ihm die Füße bluteten.