Unten knarrte das Kirchhoftürchen.

Die junge Frau Annemarie kam. Sie ging schnell und aufgeregt. Ihre Blicke irrten über den Kirchhof. Und sie fiel vor dem großen Kreuz auf die Knie, das unter der Linde stand.

»Erbarm dich, Herr, erbarm dich! Laß mein Kind nicht sterben! Laß mein Kind nicht sterben!«

Sie wiederholte schluchzend immer dieselben Worte.

Der Kirchturm wußte Bescheid. In ein paar Tagen mußten seine Glocken klingen über einem kleinen Grab, und in sein Läuten würde sich lautes Mutterweinen mischen und der Gesang: »In der Blüte deiner Jahre …«

Der Turm kannte das. Es war das alte Lied seit vielen, vielen hundert Jahren. Mütter weinen an den Gräbern am schmerzlichsten.

»Erbarm dich, Herr, laß mein Kind nicht sterben!«

Wieder ging die Kirchhofstür. Der alte Herr Kantor kam. Er war wohl der Annemarie nachgegangen.

»Der Arzt muß kommen!« sagte er zu ihr.

Sie blickte ihn an wie irr.