Mir fiel also das Amt zu, Gedeon und die Königin von Saba zu trauen. Es war eine saure Arbeit. Denn erstens waren mir die priesterlichen Gewänder, die sonst Gedeon trug, viel zu groß, und dann machte mir die Traurede viel Schmerzen. Es ist für einen Anfänger nicht leicht, gleich vor den Gewaltigen der Erde zu sprechen. Immerhin, ich nahm mich zusammen und stand würdevoll vor dem Altar, den Gedeon in einer großen Bodenkammer aufgebaut hatte. Der Hochzeitszug nahte. Die Braut trug einen wundervollen Schleier, den die Tante aufgesteckt hatte, Gedeon hielt effektvoll einen Zylinderhut in der Hand, den der Onkel geborgt hatte. Die andere Hochzeitsgesellschaft war weniger stilgerecht. Nabuchodonosor, der Trauzeuge war, hatte sich eine blaue Zuckerdüte auf den Kopf gesetzt, und die makkabäische Mutter, die als Brautjungfer fungierte, hatte sich den Gummilutscher mitgebracht. Einige Herren der Gesellschaft führten Säbel, Armbrust, Trommel oder Steckenpferd mit sich, und Ruben trieb mit seinem Bruder Lewy Allotria mit meiner Schnupftabakdose. Ganz aus der Art aber, war es, daß Salmanassar während der Trauung mit seinem Blaserohr nach dem Brautpaar Scheibe schoß.
Unter diesen Umständen ist es nicht leicht, eine ergreifende Predigt zu halten. Ich tat, was ich konnte.
»Geehrtes Brautpaar! Die Ehe stammt aus dem Paradiese. Da war Adam Bräutigam und Eva Braut.«
Hier blieb ich stecken. »Braut – Braut –« wiederholte ich einige Male mit einem fatalen Lächeln.
»Jawohl Braut!« sagte Salmanassar im Hintergrunde.
Ich machte ein hilfloses Gesicht und eine ohnmächtige Handbewegung. Gedeon, der Bräutigam, zog eine wütende Miene.
»Weiter – oder –«
Dieser Wüterich hätte sich sogar an der Geistlichkeit vergriffen. Die Angst half mir. Allerhand fiel mir ein, was ich in Traureden gehört hatte.