»Aber warum – warum haben Sie denn das verschwiegen?«

Berger sah vor sich nieder.

»Ja, warum? Na, das habt Ihr wohl schon oft gehört und gelesen, daß mancher, den die Leute für 'nen blutarmen Kerl hielten, in Wirklichkeet a kleener Krösus war. Bei manchem, der a Fechtbruder war, fand man am Ende viel Gold und Silber unter seinen Lumpen. 's gibt solche schnurrige Kerle. 's is a ganz besonderer Spaß, die Welt zum Narr'n zu halten. Bei mir war's auch so. Aber 's war nich das alleene. Das Geld kam zu spät. Zehn Jahre früher hätt's kommen müssen, wie ich noch jünger war. Da hätt' ich's gebraucht.«

Die andern sahen ihn verständnislos an; nur Frau Anna blickte vor sich nieder.

Berger zwang sich wieder zu einem launigeren Tone.

»Ja, und für een'n Lumpenmann paßt sich's doch nich, wenn a reich is. Ich schämte mich. Und Lumpenmann wollt' ich bleiben. So in der Welt rumfahren und zu Leuten kommen, das paßt mir. Das is nich so langweilig. Da gibt's alle Tage was Neues. Na, und das Geschäft ernährt mich. Deswegen braucht' ich auch das Geld nich. Ich hab' mir immer gedacht, so 'ne Lotterie is was Tummes. Immer gewinnt's einer, der's nich braucht. Aber wiederum war 's nich so was Tummes. Immer, wenn mich so eener scheel ansah, und dachte: »Ach, der arme Schlucker!« lacht' ich mir eens im stillen. Und ich dachte an allerhand!«

Die andern schwiegen. Bergers Augen begannen zu leuchten.

»Und jetzt dank' ich Gott, daß ich das Geld hab'. Jetzt kann ich's gebrauchen.«

»Berger, Sie können ja nicht – Sie dürfen nicht Ihr Geld auf eine so unsichere Sache –«

»Ich mach', was ich will! Ich borg's – basta! Die Sache steht ganz gut. Der Schräger und der Müller werden ausgezahlt, bleiben 85 000 Mark Schulden. Das is bloß reichlich die Hälfte von dem, was das Gut wert is. Dann bleiben immer noch 5000 Mark zu dem Versicherungsgelde, daß die Gebäude wieder ordentlich aufgebaut werden können. Und wenn ich sterbe, haben die Liese und die Schwester noch 7000 Mark. Das ist viel Geld. Und außerdem haben sie die Hypothek.«