»Berger, es ist mir, als ob Sie ein Märchen erzählten,« sagte der alte Kantor. »Sie müssen aber an Ihr Kind denken.«

»An die Liese denk' ich schon. Der bleibt alles, jeder Pfennig. Wenn's nich sicher wär', borgt' ich's nich. Denn ich bin geizig geworden, seit ich das Geld hab'. Aber es is sicher!«

»Das werden wir nicht annehmen, Berger.«

»So? Und damals – wie ich ins Gemeindehaus kommen sollte – als Dorfarmer? – Sie denken wohl, a Lumpenmann hat keen Ehrgefühl? Das merkt a sich, wenn ihn jemand nich hat verlumpen und verhungern lassen. Und offen gesagt, ich weeß mir keen Rat mit 'm Gelde. Ich hab' mir ofte gesagt, eigentlich könntest du was anfangen, die Liese aufputzen und so – oder selbst 'n feinen Kerl rausbeißen. Ich hab' immer lachen müssen, wenn mir so was einfiel. 's kam mir so riesig tumm vor. Na, und da hab' ich's immer aufgeschoben. Kommt alles noch zurechte, dacht' ich immer. Laß das Mädel! Besser is, sie denkt, sie is arm. Da wird sie a recht braves Mädel werden. Kommt alles zurechte!«

»Ich besauf' mich auch amal, und nachher tu ich würfeln,« nahm sich Reichel, der Schaffer, vor. Es war das erste Mal, daß er begeistert war.

Die anderen aber sahen ernst vor sich nieder. Sie waren alle in tiefer Verlegenheit. Es entstand eine Pause. Frau Anna ergriff Bergers Hand.

»Mathias, Sie wollen mir das Sterben leichter machen.«

»Mutter!«

»Kind! Anna, sprich nicht so! Ich kann's nicht hören!«