Anfangs hatte es Schräger nicht geglaubt. Aber dann hatte er dem Jungen die Taschen durchsucht und das Bild und ein ganzes Päckchen Schwefelhölzer gefunden. Entsetzt hatte er noch einige Fragen gestellt und mit Gewißheit die furchtbare Wahrheit erkannt, daß sein Sohn der Brandstifter sei.
Und doch hatte ihn damals nichts bewegt als die peinigende Sorge, die Sache möchte offenbar werden. Der Verschleierung der Tatsache galt von da an all sein Bemühen, hinter das sogar sein altes Bestreben, den Buchenhof zu erwerben, weit zurücktrat.
Nun trat er an das Bett des schlafenden Burschen. Auch im Schlafe war dieses Gesicht häßlich und öde. Der Junge atmete schwer, und seine struppigen Haare waren feucht von Schweiß. Er sah wohl auch im Traume den schrecklichen Jäger, vor dem er sich fürchtete.
Schrägers Kopf sank auf die Brust. Das war eine der schweren Nachtstunden, da der Mensch Rechnung hält in seinem Herzen und vor Schuld und Urteil erschrickt.
Wenn Gustav plauderte!
Sie konnten dem Jungen gerichtlich nichts tun, er konnte nicht verantwortlich gemacht werden. Aber sie würden ihn in eine Anstalt bringen, ihn unschädlich machen für immer.
Und das fürchtete Schräger; dagegen sträubte er sich mit ganzer Seele. Er liebte seine beiden Kinder abgöttisch, wie so oft Geizhälse, die in ihrer Seele sonst nie einen Funken Idealismus haben, an ihren Kindern mit einer unordentlichen Glut hängen, die anständigen Leuten fremd ist. Das ist auch ein Zug, den die Geizhälse mit den Bestien gemeinsam haben. Und noch eines kam hier dazu, die Gefahr, daß der Junge des Vaters Mitwissenschaft verriet.
Sein Eid! Sein Eid! Wie stand er da!
Gewiß, er konnte im schlimmsten Falle alles abstreiten. Das Zeugnis des Jungen galt vor Gericht nichts. Er konnte sagen, er habe nichts gewußt. Aber die Dorfleute! Wenn ihr Vertrauen verschwunden war, war sein Geschäft verloren – alles verloren. Das durfte unter keinen Umständen geschehen.