»Mit einer Laterne?« fragte Schräger stockend.

»Ja, mit einer Kirchenlaterne!«

»Aah!« seufzte Schräger auf und nickte.

Der Arzt kam die Treppe herab.

»Was wünschen Sie?« fragte er Schräger.

»Ich – ich habe der Frau Raschdorf Geld gekündigt, und ich will die Kündigung zurücknehmen.«

»Lieber Freund, da kommen Sie leider zu spät. Frau Raschdorf ist eben gestorben.«

Ein schriller Schrei ertönte von oben. Das war die Lene, die es auch jetzt eben erfuhr. – Schräger ging mit schweren Schritten heim. – – – –

Wieder flog die Todeskunde durchs Dorf, und die Leute wurden still. Ein Schrecken kam über die Menschen.

So viel Trauer in einem Hause weckte überall Furcht. Ein leises Grauen mischte sich drein, als sei hier eine Strafe des Himmels sichtbar und offenkundig in Erscheinung getreten für Sünden, die die Menge nicht genau kannte. Aber ein Mitleid regte sich in den weicheren Herzen für die zwei verwaisten Kinder. Dieses Mitleid hätte zum Siege verhelfen können im Kampfe um die Heimat. Durch Mitleid hätte Heinrich Raschdorf sich jenen Herzboden bei den Mitgliedern der Gemeinde erkaufen können, um den er lange Jahre hindurch so bitter kämpfen mußte. Es kam ein günstiger Augenblick, wie er nicht mehr wiederkam. – Ein paar Sympathiekundgebungen kamen aus dem Dorfe. Gespanne wurden angeboten, auch sonstige Unterstützung, und zwölf Männer meldeten sich freiwillig als Träger der Leiche. Der Bauer, der sich vor Tagen wegen Influenza entschuldigt hatte, hatte die zwölf Männer gesammelt. Er schickte eine Magd und ließ fragen, ob die Träger gebraucht würden.