Mathias Berger brachte seinem Mündel Heinrich die Nachricht aus der Küche in die Wohnstube.

»Die Leute werden vernünftig, Heinrich! Siehst Du, schlecht sind sie gar nich. Sie haben sich bloß mit Deinem Vater nich verstehen können. Es is schon gut, Heinrich, wenn Du mit den Leuten auskommst, denn sonst bleibst Du in der Fremde, auch wenn Du zu Hause bist. Das kannst Du mir glauben.«

»Den Vater haben sie nich tragen mögen,« sagte der Junge finster. »Warum nicht?«

Mathias Berger wußte nicht gleich eine richtige Antwort. Eine leidenschaftliche Röte flammte über das Knabengesicht.

»Weil sie dumm sind, weil sie schlecht sind! Mathias, ich hab's gehört, ich hab' gehört, wie sie auf meinen Vater schimpften, damals in der Stadt. Alle haben sie gelacht über den schuftigen Barbier, und wie ich ihm die Nase blutig gehau'n hab', da haben sie über mich herfallen wollen – zwanzig Männer über einen Jungen! Mathias, sie dürfen meine Mutter nicht tragen. Ich leid's nicht!«

Die stolze, herrische Art der Raschdorfs brach bei dem Knaben durch. Mathias blieb ruhig und milde.

»Heinrich, sie lassen sich selber anbieten. Es ist nun einmal so Sitte auf dem Dorfe. Wenn wir das abschlagen, das is eine riesige Beleidigung.«

»Und die? Haben die meinen Vater nicht beleidigt? Gebettelt hab' ich, gebettelt, Mathias, daß sie's glauben sollen, sie haben nicht gemuckst. Ich leid's nicht, Mathias, ich leid's nicht, daß sie die Mutter tragen.«

»Hör' mich mal an, Heinrich! Siehst Du, die Scheune werden wir wieder aufbauen, den Stall auch. Das is nich schwer. Auch die Wirtschaft kriegen wir wieder rauf. Das is auch nich schwer. Das läßt sich alles machen, wenn man a bissel Geld hat und fleißig is. Aber Heinrich – die Leute, die Leute! Die müssen auch wieder lernen, freundlich mit uns zu sein. Das is die Hauptsache, Heinrich! Das is wichtiger, als daß wir die Wirtschaft wieder aufbauen. Sieh mal, ich war früher so a armer Kerl. Ich hatte kaum a paar Sonntaghosen. Aber zu Hause war ich, 'ne Heimat hatt' ich. Das war, weil mir die Leute gut waren. Dein Vater, Heinrich, der hat keine solche Heimat gehabt.«